Aktuelle YouGov-Befragungs- und OOH-Panel-Daten zur Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie
Die im Januar 2026 umgesetzte Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie zeigt aus Verbrauchersicht bislang nur geringe Wirkung. Aktuelle Befragungsdaten aus März 2026 sowie Analysen des Out-of-Home (OOH) Konsumentenpanels zeichnen ein konsistentes Bild: Die erhoffte finanzielle Entlastung kommt bei vielen Gästen nicht an – mit Folgen für Konsumverhalten und Stimmung.
Preissenkungen kommen kaum an
6 Prozent der Befragten in Deutschland geben an, dass ihrer Meinung nach Restaurantgerichte seit der Mehrwertsteuersenkung günstiger geworden seien. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Imbissen, wo ebenfalls 6 Prozent niedrigere Preise wahrnehmen. In Fast-Food-Restaurants fällt die Wahrnehmung etwas positiver aus, bleibt mit 12 Prozent jedoch ebenfalls auf niedrigem Niveau.

Die OOH-Paneldaten von YouGov zeichnen ein ähnliches Bild: Zwar lagen die Durchschnittsausgaben für Menüs inklusive Getränk in Schnellrestaurants im Januar 2026 rund 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dennoch relativiert sich dieser Effekt vor dem Hintergrund der langfristigen Preisentwicklung. Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Preise für ein durchschnittliches Gericht im Schnellrestaurant von 5,13 € auf 6,57 € – ein Plus von 28 Prozent. Die aktuellen Preisanpassungen reichen somit aus Konsumentensicht nicht aus, um die Belastung spürbar zu reduzieren.

Gastronomiebesuche bleiben teuer – besonders für sensible Gruppen
72 Prozent der Befragten empfinden Essengehen trotz Steuersenkung weiterhin als zu teuer. Besonders ausgeprägt ist diese Wahrnehmung bei Familien mit einem Kind (76 Prozent) sowie bei Haushalten mit einem monatlichen Netto-Einkommen unter 1.500 € (81 Prozent).
Diese finanzielle Belastung schlägt sich auch im Verhalten nieder: 38 Prozent der Konsumenten geben an, im Januar und Februar 2026 seltener gastronomische Angebote genutzt zu haben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Downtrading bleibt wichtig
Neben der sinkenden Besuchsfrequenz zeigt sich auch ein verändertes Bestellverhalten. Laut OOH-Panel wurden im Januar 2026 im Vergleich zum Vorjahr pro Besuch rund 3 Prozent weniger Gerichte in der Gastronomie (Full-Service-Restaurants, Schnellrestaurants und Imbisse) bestellt. Insgesamt – inklusive Getränke – sank die Anzahl der bestellten Artikel ebenfalls um 4 Prozent. Auffällig ist, dass Getränke dabei überproportional eingespart werden.
Stimmungsumschwung bei Verbrauchern
Die öffentliche Wahrnehmung der Maßnahme hat sich deutlich verschlechtert. Während im April 2025 noch 81 Prozent der deutschen Verbraucher die anstehende Mehrwertsteuersenkung befürworteten und 50 Prozent konkrete Preissenkungen erwarteten, zeigt sich im März 2026 ein klarer Stimmungsumschwung: 31 Prozent bewerten die Auswirkungen persönlich negativ. Jeder Fünfte (19 Prozent) zieht ein positives Fazit.
Zudem sind 81 Prozent der Befragten der Meinung, dass vor allem die Gastronomie selbst von der Maßnahme profitiert – ein Hinweis auf wachsende Enttäuschung in der Bevölkerung.

Strukturelle Verschiebung der Konsumprioritäten
Grundsätzlich erkennen 65 Prozent der Befragten die kulturelle Bedeutung der Gastronomie an und befürworten eine steuerliche Unterstützung. Dennoch würden 83 Prozent eine Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel im Supermarkt bevorzugen.
Diese Präferenz wird durch die OOH-Paneldaten gestützt: Im Jahr 2025 entfielen 72,7 Prozent der Gesamtausgaben für Essen und Getränke auf den Lebensmitteleinkauf für zuhause, während demnach lediglich 27,3 Prozent auf den Außer-Haus-Konsum entfielen. Das finanzielle Einsparpotenzial wird im Lebensmitteleinzelhandel somit deutlich höher eingeschätzt.
Unsere Daten zeigen klar: Die Mehrwertsteuersenkung entfaltet bislang nur begrenzte Wirkung auf das Konsumverhalten. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre, anhaltend hohe Kostenstrukturen und eine geringe Wahrnehmung tatsächlicher Entlastung treffen nun zusätzlich auf eine zunehmende Verunsicherung durch die geopolitische Lage im Iran. In der Folge wägen viele Verbraucher ihre Ausgaben genauer ab.
Für die Gastronomie ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf: Insbesondere preissensible Zielgruppen drohen langfristig verloren zu gehen, wenn keine überzeugenden Antworten auf die gestiegenen Kosten und die Erwartungen der Konsumenten gefunden werden.
Zur Methode:
Die Ergebnisse der Umfrage basieren auf Online-Interviews auf Basis von YouGov Surveys mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für die Befragung wurden im Zeitraum 13.-16. März 2026 insgesamt 2.082 Personen in Deutschland befragt. Die Erhebung wurden nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Die Ergebnisse von YouGov Shopper basieren auf Daten des YouGov OOH-Panels und bieten einen tiefen Einblick in das faktische Kaufverhalten im deutschen Außer-Haus-Markt.
