GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro wurden ursprünglich für Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickelt. Durch die Regulierung des Blutzuckerspiegels und eine verlangsamte Verdauung reduzieren sie den Appetit und unterstützen eine effektivere Gewichtskontrolle.

In den vergangenen Jahren haben sich diese Therapien aus dem rein klinischen Kontext in die breite öffentliche Wahrnehmung verlagert. In Deutschland verstärken GLP-1-Medikamente einen übergeordneten Trend hin zu bewussterem Konsum. Aktuelle YouGov-Studien – Trend Reality sowie Who Cares? Who Does? – zeigen, dass sich ihr Einfluss zunehmend auf alltägliche Lebensmittelentscheidungen im FMCG-Markt erstreckt.

Bekanntheit ist hoch, Nutzung nimmt zu

Who Cares Who Does Article 1, Chart 1 German

63 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland sind bereits mit GLP-1-Gewichtsreduktionsinjektionen vertraut. Bereits heute nutzen über 4 Millionen Haushalte diese Medikamente oder ziehen ihre Nutzung in Betracht – ein deutliches frühes Adoptionsniveau in einem Markt, in dem:

  • 25 % der Erwachsenen mit Adipositas leben und
  • 67 % der erwachsenen Männer sowie 53 % der erwachsenen Frauen übergewichtig sind

(Quelle: die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V., 2025)

Dieser Kontext verdeutlicht, dass medizinische Lösungen zur Gewichtskontrolle das Potenzial haben, Konsumverhalten auf Bevölkerungsebene zu beeinflussen. Was auf den ersten Blick wie ein neuer Trend wirkt, könnte (unter den nicht-medizinischen Nutzern) vielmehr Teil eines Strebens nach Selbstoptimierung und Kontrolle sein.

Who Cares Who Does Article 1, Quote 1 German

Kontrolle, Convenience, Konsequenzen: Wie GLP-1 Ess- und Kaufverhalten verändert

Da GLP-1-Medikamente die Verdauung verlangsamen und das Sättigungsgefühl erhöhen, passen Anwender ihr Kauf- und Konsumverhalten von Lebensmitteln und Getränken zunehmend an. Dadurch steigt der Bedarf an:

  • Portionskontrollierten Formaten, die Struktur und Planbarkeit unterstützen
  • Nährstoffreichen, funktionalen Produkten, die pro Portion einen höheren Mehrwert bieten
  • Alltagstauglichen, praktischen Lösungen statt Neuheiten oder Impulskäufen
  • Körperpflegeprodukten, die eine gesunde, positive Transformation unterstützen

Daten aus dem deutschen FMCG-Shopper-Panel von YouGov (2025) zeigen erste Hinweise auf Anpassungen der Warenkörbe zwischen GLP-1-Anwendern, Personen, die eine Nutzung in Erwägung ziehen, und der Gesamtbevölkerung.

Who Cares Who Does Article 1, Chart 2, German
Die neuesten FMCG-Shoppertrends rund um Nachhaltigkeit und GesundheitMehr über Who Cares? Who Does? erfahren

Die Unterschiede zwischen GLP-1-Anwendern und Personen, die eine Nutzung in Erwägung ziehen, gehen über Lebensmittel- und Getränkekategorien hinaus. Während Considerer in stärker convenience- und impulsgesteuerten FMCG-Kategorien wie Instant Cup Mahlzeiten überdurchschnittlich vertreten sind, zeigt sich im OTC-Bereich ein breiteres Spektrum gesundheitsbezogener Bedürfnisse.

GLP-1-Considerers weisen eine Überindexierung bei OTC-Produkten für Verdauungsbeschwerden auf und zeigen dort zudem höhere durchschnittliche Ausgaben. GLP-1-Nutzer hingegen sind stärker in der Kategorie Nahrungsergänzungsmittel für Haut, Haare und Nägel vertreten, ebenfalls mit höheren durchschnittlichen Ausgaben.

Dies deutet darauf hin, dass GLP-1-bezogenes Verhalten nicht auf die Ernährung allein beschränkt ist, sondern sich auch in angrenzenden Bereichen wie Verdauungsgesundheit, Hautpflege und körperbezogenen Themen widerspiegeln kann. Im Verlauf des Jahres 2026 dürften sich diese Effekte weiter verstärken, da sich die Nutzung zunehmend über den Diabetes-Kontext hinaus ausweitet.

Who Cares Who Does - Lenneke's Quote - German

Was das für FMCG und Handel bedeutet

Der zunehmende Einsatz von GLP-1-Medikamenten in Deutschland (auch jenseits medizinischer Notwendigkeit) geht mit einem stärkeren Bedürfnis nach Unterstützung bei einer ausgewogenen Ernährung, gesundheitsbezogenem Konsumverhalten und Selbststeuerung einher. Das zeigt, wie medizinische Interventionen Auswirkungen auf Ernährungsverhalten, Warenkorbzusammensetzung und die Performance einzelner Kategorien haben können.

Drei Handlungsfelder für FMCG- und Handelsverantwortliche:

  • Für Portionsgrößen und Nutzungskontexte entwickeln
    Setzen Sie auf kleinere, kontrollierte Formate sowie auf Produkte mit klar erkennbarem funktionalem Nutzen.
  • Klar und glaubwürdig kommunizieren
    Verbraucher schätzen Glaubwürdigkeit und Transparenz. Erfüllen Sie dieses Bedürfnis mit nachvollziehbaren Informationsgrundlagen und erleichtern Sie Entscheidungen.
  • Selbstmanagement ermöglichen
    Entwickeln Sie Produkte und Services, die eine strukturierte Ernährung unterstützen – etwa durch Portionsbewusstsein, nährstoffreiche Angebote oder der Förderung verlässlicher Routinen.

Injizierbare Medikamente zur Gewichtsreduktion zeigen, wie körperliche Veränderungen zu Konsumverhaltensänderungen führen – begleitet von Bedürfnissen nach Kontrolle, Ausgewogenheit und Alltagstauglichkeit. Eine Chance für Marken liegt im Verständnis der konkreten Anpassungen im Alltag von GLP-1-Nutzern und darin, Angebote gezielt darauf auszurichten.

Melden Sie sich für Ihren Branchen-Newsletter an