Aktuelle YouGov Profiles und YouGov Shopper-Daten zum Thema Selbstmedikation und Apotheken
Der Umgang mit Krankheiten und Medikation, und damit auch die Angebote auf dem Gesundheitsmarkt, sind in Deutschland stark im Wandel.
Laut aktueller YouGov Profiles-Daten (Februar 2026) nehmen 44 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben rezeptfreie Medikamente, sobald sie krank werden. Dieser Anteil ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gestiegen.
Die Selbstmedikation erfolgt zudem öfter zusätzlich zu oder anstelle einer ärztlichen Verschreibung: 37 Prozent der Befragten widersprechen heute der Aussage, dass sie normalerweise nur Medikamente verwenden, die ihnen ihr Arzt verschreibt.
Zur Selbstmedikation gehört die eigenverantwortliche Behandlung von Gesundheitsanliegen durch den Kauf und die Einnahme rezeptfreier Mittel. Dazu zählen neben apothekenpflichtigen Arzneimitteln (wie Schmerz-, Fieber- und Erkältungsmittel) freiverkäufliche OTC-Mittel wie pflanzliche Präparate, medizinische Tees, aber auch sonstige Gesundheitsprodukte ohne Arzneimittelstatus, Nahrungsergänzungsmittel und bestimmte dermatologische Kosmetika.
Die Verkaufskanäle für Selbstmedikationsmittel haben sich vom pharmazeutischen Sektor hin zum Massenmarkt breiter diversifiziert
Laut YouGov Shopper-Daten ist der Umsatz des gesamten Selbstmedikationsmarktes in Deutschland von 2024-2025 um +3,7 Prozent (+541 Millionen Euro) gestiegen.
Dieses Wachstum findet allerdings weniger in den stationären Apotheken statt: Immer häufiger nehmen Verbraucher für ihre Gesundheitsanliegen Angebote von e-Apotheken und Massmarket- bzw. spezialisierter Online-Shops in Anspruch.
So zeigen die Shopper-Daten einen deutlichen Wandel der Selbstmedikations-Marktanteile der heutigen Verkaufs-Channel von Selbstmedikationsmitteln: Im Jahr 2025 fiel der Umsatzanteil der Apotheken vor Ort um -3,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr; auch der Absatzanteil (Packungen) der stationären Apotheken fiel im letzten Jahr um -3,4 Prozentpunkte.
Online-Apotheken haben ihren Absatzanteil (Packungen) im Jahr 2025 um +0,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr erhöht; der Umsatzanteil der Versandapotheken blieb damit allerdings noch leicht unter dem Vorjahreswert (-0,1 Prozentpunkte).

Ein Grund dafür ist die markante Entwicklung der Massmarket-Händler (wie dm, Rewe, Amazon oder Lidl) und spezialisierter Online-Shops (wie Sunday Natural und Natural Elements) im Gesundheitssegment.
Die Lebensmitteleinzelhändler, Discounter, Drogeriemarktketten, und Online-Shops für Nahrungsergänzungsmittel haben ihre Umsatzanteile im gesamten Selbstmedikationsmarkt sowohl stationär (+1,5 Prozentpunkte) als auch im Online-Handel (+2,8 Prozentpunkte) im Jahr 2025 deutlich vergrößert. Ihre Absatzanteile (Packungen) stiegen um +1,7 Prozentpunkte (stationär) und +1,4 Prozentpunkte (online).
Angebotsvielfalt, Alternativmedizin und Autonomie beeinflussen den Umgang mit Medikation und das Käufer-Verhalten
Auffällig ist dabei: Das starke Wachstum des e-Massmarket ist vor allem auf höhere Mengen (+30,3 Prozent Anzahl Packungen pro Käufer) und teurere Einkäufe zurückzuführen (20,45 Euro Durchschnittspreis pro Packung / +2,1 Prozent; im Vergleich zu 10,51 Euro Durchschnittspreis pro Packung im Gesamtmarkt Selbstmedikation).
Das Preisbewusstsein der Verbraucher scheint also hier weniger stark im Vordergrund der Entwicklung zu stehen als möglicherweise moderne Lifestyle- und Selbstoptimierungstrends, wie aus den Bereichen der Nahrungsmittelergänzung, (Diät-)Kuren oder der freiverkäuflichen Phytopharmaka.
Laut YouGov Profiles sind heute gut drei von fünf (61 Prozent) Verbrauchern in Deutschland offen gegenüber Alternativmedizin. In diesen Bereichen weisen die Verbraucher die Kompetenz womöglich mehr und mehr anderen Channels zu als Apotheken oder auch Ärzten. Laut YouGov Profiles suchen heute 45 Prozent der Verbraucher „auf eigene Faust nach Behandlungsmöglichkeiten und fragen erst dann ihren Arzt.“
Ein durch neue Angebote des Massenmarktes und alternative Informationskanäle bedingtes Grundverständnis der Verbraucher könnte sich auch in der veränderten Customer Journey abzeichnen.
Methode:
Die Ergebnisse entstammen dem Zielgruppensegmentierungstool YouGov Profiles sowie Daten des YouGov Shopper-Health-Panels.
YouGov Profiles basiert auf einer kontinuierlich erhobenen Datenquelle aus fortlaufenden Online-Umfragen mit registrierten YouGov-Panelteilnehmern. Datensätze werden wöchentlich aktualisiert und umfassen jeweils 52 Wochen. Die Erhebung wird nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Ausgewertete Datensätze vom Februar 2022 – Februar 2026.
Die Daten des YouGov Shopper-Health-Panels (YouGov CP Germany medic*scope) basieren auf registrierten Kaufakten der Panelteilnehmer in Deutschland. Ausgewertet wurden die Zeiträume Jahr 2024 – Jahr 2025.

