Aktuelle YouGov-Daten (April 2026) zum Thema Ökostrom und Energieanbieter
Ökostrom ist in Deutschland heute vielerorts nicht mehr teurer als Strom aus fossilen Energiequellen, oft sogar günstiger als die Grundversorgung. Der Anteil erneuerbarer Energien am Nettostromverbrauch in Deutschland lag im vergangenen Jahr erstmals bei 59 Prozent. Dank des Ausbaus erneuerbarer Energien seit 2022 sind die Strompreise in Deutschland auch im Zuge der aktuellen Spannungen im Nahen Osten insgesamt weniger stark gestiegen als ohne EE-Ausbau, so Beobachter.
Aktuelle YouGov-Daten zeigen, wer zu einem Ökostromtarif wechseln würde, was die Verbraucher dazu motiviert, und welche Energieversorger aktuell in Betracht gezogen werden.
Hohe Bereitschaft zum Ökostrombezug
Laut YouGov Profiles bezieht aktuell ein Drittel (33 Prozent) deutscher Haushalte bereits 100 % Ökostrom. Rund zwei Drittel (65 Prozent) sind grundsätzlich offen für einen Wechsel zu einem Ökostromtarif, ob bei ihrem jetzigen Anbieter oder einem neuen. Befragt wurden jeweils (Mit)-Verantwortliche Entscheider in Energieversorgungsfragen im Haushalt.
Die potenziellen Ökostromer gehören häufiger den Millennials, d. h. der Altersgruppe der heute 30- bis 45-Jährigen (31 vs. 26 Prozent aller Befragten) an, sowie der Gen Z (15 vs. 11 Prozent). Sie leben außerdem etwas häufiger in Vororten (17 vs. 14 Prozent) und wohnen eher zur Miete (60 vs. 54 Prozent).
Politisch ordnet sich die Zielgruppe laut aktueller YouGov-Daten eher in der Mitte ein: Auf einer Skala von 0 („links außen“) bis 10 („rechts außen“) steht sie häufiger bei 4 bis 6 (insgesamt 60 vs. 53 Prozent aller Befragten). Danach gefragt, wie sie bei bei Nachrichten und aktuellen Ereignissen auf dem neuesten Stand bleiben, nennen die potenziellen Ökostromer vergleichsweise häufig Gespräche mit Freunden oder Familie (42 vs. 38).
Umweltbewusstsein allein nicht entscheidend
Was motiviert den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien? YouGov-Daten deuten darauf hin, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein zwar die Offenheit für Ökostrom erhöht, der Preis jedoch entscheidend bleibt.
So stimmen rund zwei Drittel (66 Prozent) der potenziellen Ökostromer der Aussage zu, dass grüne Energie die Zukunft ist (vs. 59 Prozent Gesamt). Zudem geben sie häufiger an, ihre CO2-Bilanz reduzieren zu wollen, auch wenn ihnen das nach eigener Aussage nicht immer gelingt (50 vs. 43 Prozent).
Womöglich sieht die Zielgruppe die soziale Verantwortung jedoch nicht in erster Instanz bei den Endverbrauchern. Trotz höherem Umweltbewusstsein scheint die Preisorientierung bei den Verbrauchern zu dominieren: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der potenziellen Ökostromer ist nicht bereit, für nachhaltige Energie mehr zu zahlen – genauso viele wie in der Gesamtbevölkerung.
Bei den meisten Verbrauchern steht damit die Rechnung im Vordergrund: Ebenfalls 55 Prozent der potenziellen Ökostromer sagen, dass es ihnen egal ist, ob Energie „grün“ ist, solange sie günstig bleibt.
Das starke Preisbewusstsein der Verbraucher hängt möglicherweise auch mit den Erfahrungen der jüngsten Energiekrisen zusammen, welche die Sensibilität gegenüber steigenden Strom- und Gaspreisen erhöht haben.
Reine Ökostromanbieter werden kaum in Betracht gezogen
Gleichzeitig zeigt sich bei vielen Verbrauchern eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Branche. So stimmt die Mehrheit (54 Prozent der potenziellen Ökostromer sowie 52 Prozent aller Befragten) der Aussage zu, dass sich Energieunternehmen ihrer Meinung nach nicht ausreichend um die Umwelt kümmern.
Die meisten Verbraucher in Deutschland erwarten, dass mit einem Bezug von Ökostrom der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert wird. Doch nicht alle Anbieter von Ökostrom verpflichten sich zu einer Förderung neuer Anlagen — ausschlaggebend dafür sind Ökostromzertifikate und -Gütesiegel der Anbieter, die u. a. auch den bezogenen Strommix bzw. die Lieferung reinen Ökostroms garantieren.
YouGov BrandIndex-Daten zeigen, dass auch bei den potenziellen Ökostromern etablierte Marken das Relevant-Set dominieren. Die aktuell relevantesten Energieversorger für Verbraucher, die offen für einen Bezug von Ökostrom sind, sind laut YouGov BrandIndex-Daten E.ON (Consideration: 30 vs. 25 Prozent aller Befragten), Vattenfall (24 vs. 22 Prozent) und Yello Strom (19 vs. 16 Prozent), gefolgt von EnBW (17 vs. 15 Prozent) und Eprimo (jeweils 12 Prozent).
Reine Ökoenergieanbieter wie Octopus Energy (jeweils 9 Prozent), Lichtblick (jeweils 8 Prozent) und Naturenergie (jeweils 3 Prozent) werden von der Zielgruppe nicht häufiger in Betracht gezogen; wenige Verbraucher haben die Anbieter überhaupt im Relevant-Set.
Hinzu kommt, dass die Absicht eines kurzfristigen Anbieterwechsels in der Zielgruppe kaum höher ist: 30 Prozent der potenziellen Ökostromer planen, innerhalb der nächsten 12 Monate den Stromanbieter zu wechseln (vs. 28 Prozent aller Befragten). Davon profitieren würden laut aktueller YouGov-Daten nicht primär auf erneuerbare Energien fokussierte Anbieter: Unter Verbrauchern, die den Anbieterwechsel planen und die grundsätzlich offen für einen Ökostromtarif sind, gewinnen insbesondere die E.ON-Tochtergesellschaften Eprimo (20 vs. 12 Prozent) und E wie Einfach (19 vs. 11 Prozent) an Relevanz.
Anbieterwechsel erfolgt meist über Vergleichsportale
Für die Sichtbarkeit der Marken entscheidend: Beim Abschluss eines neuen Vertrags haben sich Verbraucher, die in den letzten 12 Monaten ihren Energieversorger gewechselt haben, in den seltensten Fällen an der Webseite des Stromanbieters orientiert. Fast zwei Drittel (62 Prozent) der Wechsler hat den neuen Vertrag direkt auf einem Vergleichsportal wie Verivox oder Check24 abgeschlossen. Nur knapp zwei von zehn (21 Prozent) nutzten dafür die Webseite des Anbieters.
Methode:
YouGov Profiles basiert auf einer kontinuierlich erhobenen Datenquelle aus fortlaufenden Online-Umfragen mit registrierten YouGov-Panelteilnehmern. Datensätze werden wöchentlich aktualisiert und umfassen jeweils 52 Wochen. Die Erhebung wird nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Ausgewerteter Datensatz vom 26. April 2026.
YouGov BrandIndex erfasst täglich die Verbraucherwahrnehmung von mehr als 1.500 Marken in Deutschland anhand 16 Metriken. Die Ergebnisse basieren auf Online-Umfragen mit registrierten Panelteilnehmern. Die Erhebung wird nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.
Definition der Generationen: Gen Z (1997 oder später), Millennials (1981-1996), Gen X (1965-1980) und Boomer+ (vor 1964).
