Am 8. März wählen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Ergebnisse aus einer YouGov-Befragung von Wahlberechtigten aus Baden-Württemberg vom 25.02. bis 03.03.2026 zeigen, welche Themen für Bürgerinnen und Bürger wichtig sind, was sie von Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten halten und wie sie zur AfD-Brandmauer stehen.
Wirtschaft ist das wichtigste Thema – gefolgt von Zuwanderung und Asyl sowie Wohnen und Miete
Wichtigstes Thema in Baden-Württemberg ist Wirtschaft: Für 39 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ist dies eines der drei wichtigsten Themen, für 22 Prozent das wichtigste Thema überhaupt. Auf Rang zwei steht Zuwanderung und Asyl: Für 36 Prozent ist dies eines der drei wichtigsten Themen, für 18 Prozent das Top-Thema in Baden-Württemberg. Mit 31 Prozent steht Wohnen und Miete auf Platz drei. Für Bürgerinnen und Bürger, die in urbanen Regionen leben, liegt Wohnen und Miete (34 Prozent) sogar gemeinsam mit Zuwanderung und Asyl (34 Prozent) auf Rang 2. Aber: Auch für 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die in vorstädtischen oder ländlichen Regionen leben, ist Wohnen und Miete eines der drei wichtigsten Themen.
Gesundheitsversorgung ist für 25 Prozent eines der drei wichtigsten Themen. Vor allem für Frauen (34 Prozent), ältere Bürgerinnen und Bürger (60 Jahre und älter: 32 Prozent), Bürgerinnen und Bürger mit niedriger formaler Bildung (34 Prozent) und in vorstädtisch-ländlichen Regionen (27 Prozent) ist das Thema wichtig. Umwelt- und Klimaschutz ist für 18 Prozent eines der drei wichtigsten Themen in Baden-Württemberg und teilt sich mit Bildung, Infrastruktur, Steuern und der Schere zwischen Arm und Reich die Aufmerksamkeit der Baden-Württemberger. Wenn Bürgerinnen und Bürger allerdings priorisieren müssen, welches das wichtigste Thema ist, wählen neun Prozent Umwelt- und Klimaschutz – Rang vier hinter den drei Top-Themen.
Bürgerinnen und Bürger sind gespalten, welche Partei größte Kompetenz beim Thema Zuwanderung hat
Bürgerinnen und Bürger schreiben beim Thema Wirtschaft der CDU die größte Lösungskompetenz zu (32 Prozent). AfD (13 Prozent) und Grüne (10 Prozent) bleiben beim Top-Thema klar hinter der CDU zurück. Beim Thema Zuwanderung und Asyl hat die AfD (30 Prozent) das meiste, aber nicht ungeteilte, Zutrauen der Bürgerinnen und Bürger – 25 Prozent sehen die größte Lösungskompetenz bei der CDU. Beim Thema Wohnen und Miete ist das Meinungsbild geteilt: 19 Prozent sehen die größte Lösungskompetenz bei der CDU, 13 Prozent bei der AfD und 11 Prozent bei den Grünen. 9 Prozent schreiben die größte Kompetenz der Linken zu. Ganze 28 Prozent sind unentschlossen oder glauben, dass keine Partei bei diesem Thema kompetent ist.
Die Grünen können als Partei bei keinem der drei wichtigsten Themen punkten. Nur beim Thema Umwelt- und Klimaschutz dominieren sie den politischen Wettbewerb: 42 Prozent der Bürgerinnen und Bürger schreiben den Grünen hier die größte Kompetenz zu.
Rund die Hälfte der Baden-Württemberger ist zufrieden mit Grün-Schwarz
29 Prozent der Bürgerinnen und Bürger finden, dass sich die Dinge in generell Baden-Württemberg in die richtige Richtung entwickeln. 42 Prozent finden, dass sich die Dinge in die falsche Richtung entwickeln, 29 Prozent sind sich nicht sicher. Auch wenn das Bild negativ getrübt ist: Die Baden-Württemberger sehen die Zukunft für ihr Bundesland positiver als für die Bundesrepublik. Zum Vergleich: Nur 18 Prozent finden, dass sich in Deutschland die Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Eine große Mehrheit (61 Prozent) ist der Meinung, dass sich Deutschland in die falsche Richtung entwickelt. 21 Prozent sind unentschlossen.
Fast die Hälfte (44 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg sind zufrieden mit der grün-schwarzen Landesregierung. 73 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die bei der Bundestagswahl 2025 die Grünen gewählt haben, sind zufrieden mit der Landesregierung. Unter CDU-Anhängern sind 54 Prozent zufrieden und unter SPD-Anhängern sogar 63 Prozent. AfD-Anhänger haben dagegen eine eindeutig andere Wahrnehmung: Nur 16 Prozent sind zufrieden mit der Landesregierung, die weit überwiegende Mehrheit (79 Prozent) ist unzufrieden.
Cem Özdemir hat als Kandidat die Nase vorn
Von den drei Spitzenkandidaten von Grünen, CDU und AfD ist Cem Özdemir mit Abstand am bekanntesten, daran konnte auch der Wahlkampf nichts ändern. 95 Prozent geben an, Cem Özdemir zu kennen. Manuel Hagel kennen 69 Prozent, ein Zuwachs um 17 Punkte gegenüber Januar 2026. In einer YouGov-Befragung vom 14. Bis 22.01.2026 unter 1.028 Wahlberechtigten in Baden-Württemberg gab knapp die Hälfte (52 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger an, Manuel Hagel zu kennen. Markus Frohnmaier kennen 60 Prozent der Baden-Württemberger.
Cem Özdemir ist nicht nur bekannter, sondern auch beliebter als Manuel Hagel. 52 Prozent der Bürgerinnen und Bürger haben eine positive Meinung von Cem Özdemir, 37 Prozent eine negative Meinung. Dagegen haben 45 Prozent eine negative Meinung von Manuel Hagel und nur 38 Prozent eine positive Meinung. Im Vergleich zu unserer Befragung im Januar geben weniger Bürgerinnen und Bürger an, in Bezug auf ihre Meinung zu Manuel Hagel unentschlossen („Weiß nicht“) zu sein (Januar: 25 Prozent, Februar/März: 17 Prozent). Der Anteil an Bürgerinnen und Bürger, die eine positive Meinung von Manuel Hagel haben, ist stabil geblieben (Januar: 39 Prozent, Februar/März: 38 Prozent). Der Anteil derjenigen, die eine negative Meinung von Manuel Hagel haben, ist dagegen angestiegen (Januar: 36 Prozent, Februar/März: 45 Prozent). Manuel Hagel hat Bürgerinnen und Bürger also im Wahlkampf der letzten Wochen nicht von sich als Kandidat überzeugen können. Markus Frohnmaier wird von den Dreien am negativsten wahrgenommen: 24 Prozent haben eine positive, 53 Prozent eine negative Meinung von ihm.
Dieses Muster zeigt sich auch in der Art und Weise, wie Bürgerinnen und Bürger die Kandidaten wahrnehmen: Mehr Bürgerinnen und Bürger nehmen Cem Özdemir als sympathisch (54 Prozent; Manuel Hagel: 41 Prozent, Markus Frohnmaier: 24 Prozent) und glaubwürdig (52 Prozent; Manuel Hagel: 38 Prozent, Markus Frohnmaier: 26 Prozent) wahr als Manuel Hagel und Markus Frohnmaier. Mehr Bürgerinnen und Bürger glauben, dass Cem Özdemir die richtigen Ideen für die Zukunft hat (44 Prozent; Manuel Hagel: 38 Prozent, Markus Frohnmaier: 28 Prozent). Für die Hälfte der Baden-Württemberger (51 Prozent) ist Cem Özdemir eine Führungspersönlichkeit – von Manuel Hagel (35 Prozent) und Markus Frohnmaier (27 Prozent) sagen das deutlich weniger.
Nicht überraschend liegt Cem Özdemir in der Präferenz der Baden-Württemberger vorn, wenn Bürgerinnen und Bürger den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten. 31 Prozent würden ihn direkt wählen, nahezu mehr als doppelt so viele wie Manuel Hagel (17 Prozent). 10 Prozent würden sich für Markus Frohnmaier entscheiden. 22 Prozent für keinen der drei Kandidaten und 21 Prozent sind unentschieden.
Unter Wählerinnen und Wähler der CDU bei der Bundestagswahl 2025 würden 42 Prozent Manuel Hagel wählen – und 19 Prozent Cem Özdemir. Zum Vergleich: Unter Wählerinnen und Wähler der Grünen bei der Bundestagswahl 2025 würden 80 Prozent Cem Özdemir wählen.
Rund die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger stellt die Brandmauer in Frage
Rund die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg ist der Meinung, dass die anderen Parteien mit der AfD in Baden-Württemberg zusammenarbeiten sollten: 25 Prozent finden, die anderen Parteien sollten von Fall zu Fall bei Sachfragen mit der AfD zusammenarbeiten, 27 Prozent sind der Meinung, andere Parteien sollten generell bereit sein, mit der AfD Koalitionen einzugehen. Dagegen sind 40 Prozent der Ansicht, dass die anderen Parteien generell nicht mit der AfD zusammenarbeiten sollten.
Besonders hoch ist die Zustimmung für eine Zusammenarbeit der Parteien mit der AfD unter Männern (sollten in Sachfragen zusammenarbeiten: 26 Prozent, sollten Koalitionen eingehen: 32 Prozent), Bürgerinnen und Bürger im mittleren Lebensalter (z. B. 40-49-Jährige: sollten in Sachfragen zusammenarbeiten: 20 Prozent, sollten Koalitionen eingehen: 37 Prozent), Bürgerinnen und Bürgern mit niedriger formaler Bildung (sollten in Sachfragen zusammenarbeiten: 25 Prozent, sollten Koalitionen eingehen: 31 Prozent) und in nicht-städtischen Gebieten (sollten in Sachfragen zusammenarbeiten: 25 Prozent, sollten Koalitionen eingehen: 29 Prozent).
Methode:
Diese Umfrage wurde von YouGov Deutschland als Eigenstudie durchgeführt. Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des unternehmenseigenen YouGov Panels. Die Mitglieder des Panels haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 25.02. bis 03.03.2026 insgesamt 1.010 Personen in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Urbanisierungsgrad, politischem Interesse und Wahlverhalten, befragt. Die Stichprobe bildet die Wahlberechtigten in Baden-Württemberg ab 16 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.

