Ein Zwischenstand aus dem zweiten YouGov Schweiz Stimmungsbarometer zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 14. Juni

Seit dem 18. Mai führt YouGov Schweiz die Umfragen des zweiten Stimmungsbarometers zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 14. Juni durch. Im Folgenden präsentieren wir in einem aktuellen Zwischenstand dieser Befragungen, wie die Schweizer Stimmbevölkerung momentan über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» sowie über die Änderung des Zivildienstgesetz abstimmen würde. Dafür wurden die Antworten von 2'518 Befragten aus dem Zeitraum vom 18. bis 26. Mai ausgewertet.

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Der Ausgang beider Abstimmungen bleibt weiterhin offen, auch wenn sich bei der Nachhaltigkeitsinitiative inzwischen eine leichte Verschiebung zugunsten des Nein-Lagers abzeichnet. Aktuell sprechen sich 51 Prozent der Stimmberechtigten gegen die Vorlage aus, während 43 Prozent ein Ja unterstützen; 6 Prozent sind noch unentschlossen. Damit hat sich das Kräfteverhältnis gegenüber dem ersten Stimmungsbarometer leicht verändert: Das Nein-Lager ist um 5 Prozentpunkte gewachsen (von 46 auf 51 Prozent) und liegt nun knapp über der 50-Prozent-Marke, während das Ja-Lager leicht an Zustimmung eingebüsst hat (von 45 auf 43 Prozent). Ein Nein erscheint damit derzeit wahrscheinlicher – auch wenn sich beide Lager weiterhin innerhalb des statistischen Unsicherheitsbereichs bewegen, in der grundsätzlich sowohl eine Ablehnung als auch eine Annahme möglich bleiben.

Während sich die Stimmung gegenüber der Nachhaltigkeitsinitiative im Vergleich zur ersten Umfrage nur moderat verschoben haben, zeigt sich auf der Ebene der Argumente eine zunehmende Polarisierung, wie die NLP-Analyse der offenen Abstimmungsbegründungen verdeutlicht. Die Zustimmung zur Initiative wird vor allem durch Themen wie Zuwanderung, Wachstumsbegrenzung sowie die Haltung getragen, dass die Schweiz nicht für globale Probleme verantwortlich gemacht werden sollte. Auffällig ist insbesondere, dass das Thema Zuwanderung von Umfrage 1 zu Umfrage 2 deutlich an Gewicht gewonnen und sich als zentraler Treiber der Zustimmung weiter etabliert hat, während infrastrukturelle Argumente gleichzeitig an Bedeutung verlieren. Auf Seiten der Gegnerschaft bleiben hingegen die grossen und wichtigen Ablehnungsgründe die möglichen wirtschaftlichen Folgen, die Gefahr eines Fachkräftemangels sowie die Einordnung der Initiative als «unsinnig». Insgesamt deutet der Vergleich der beiden Umfragen darauf hin, dass sich die Diskussion zunehmend auf Fragen von Begrenzung, Kontrolle und wahrgenommener gesellschaftlicher Belastung konzentriert, während grundsätzlichere Zukunfts- und Infrastrukturüberlegungen etwas in den Hintergrund treten.

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Auch bei der Änderung des Zivildienstgesetzes zeigt sich weiterhin ein enges Rennen, mit einem leichten Überhang des Nein-Lagers. Aktuell würden 44 Prozent der Befragten die Vorlage ablehnen (Umfrage 1: 40 Prozent), während 40 Prozent zustimmen (Umfrage 1: 41 Prozent); 16 Prozent sind noch unentschlossen. Im Unterschied zur Nachhaltigkeitsinitiative zeichnet sich hier jedoch kein klarer Trend in Richtung einer mehrheitsfähigen Position ab. Vielmehr bleibt die Meinungsbildung volatil, was sich auch im vergleichsweise hohen Anteil Unentschlossener widerspiegelt.

Die NLP-Analysen zum Zivildienstgesetz zeigen, wie in der ersten Umfrage, eine stark wertebasierte Auseinandersetzung. Zustimmung entsteht vor allem dort, wo dem Militärdienst eine zentrale Bedeutung für die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der Schweiz zugeschrieben wird und der Zivildienst als Ausweichmöglichkeit wahrgenommen wird. Dieses Argument hat zwischenzeitlich zusätzlich an Gewicht gewonnen. Auf der Gegenseite bleibt die gesellschaftliche Bedeutung des Zivildienstes das zentrale Gegenargument, verliert jedoch leicht an relativer Bedeutung. Deutlich an Relevanz gewinnt hingegen die Einschätzung, die Vorlage sei «unnötig», was auf eine wachsende Skepsis gegenüber der Notwendigkeit der Gesetzesänderung hindeutet. Insgesamt verstärkt sich damit die Polarisierung zwischen sicherheitsorientierten Argumenten auf der Ja-Seite und gesellschafts- sowie systemorientierten Argumenten auf der Nein-Seite.

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Der aktuelle Zwischenstand des zweiten Stimmungsbarometers zeigt insgesamt eine leichte Verschiebung bei der Nachhaltigkeitsinitiative hin zu einem wahrscheinlicheren Nein, während das Zivildienstgesetz weiterhin durch Unsicherheit und fehlende klare Mehrheiten geprägt ist. Entscheidend für beide Vorlagen bleibt die weitere Mobilisierung der Unentschlossenen sowie die Frage, welche Argumente im Abstimmungskampf an Resonanz gewinnen. Das finale Stimmungsbarometer der zweiten Welle veröffentlicht YouGov Schweiz am Abend des 2. Juni auf der YouGov Schweiz Webseite.

Sie interessieren sich für weitere Details und Insights? Kontaktieren Sie uns gerne! Mit dem Stimmungsbarometer von YouGov Schweiz erforschen wir regelmässig detailliert die öffentliche Meinung in der Schweiz im Vorfeld von eidgenössischen Abstimmungen.

Methodische Erläuterungen

Die oben präsentierten Resultate basieren auf einer Umfrage, die die YouGov Schweiz AG (ehemals LINK Marketing Services AG) als Eigenstudie mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für den Zwischenstand der aktuellen Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 18. und 26. Mai 2026 insgesamt 2'518 Personen in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion, befragt. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der stimmberechtigten Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab. Die präsentierten Werte der aktuellen Abstimmungsabsicht wurden mittels MRP-Modellierung berechnet, alle anderen abgebildeten Daten sind gewichtete Werte. Die Gewichtung basiert auf den Variablen Alter, Geschlecht, Sprachregion, Erwerbstätigkeit und Haushaltsgrösse. Bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit liegt der Stichprobenfehler bei ±1.95 Prozent. Für die erste Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 21. April und 4. Mai 2026 insgesamt 3’020 Personen befragt. Der Stichprobenfehler liegt hier bei ±1.78 Prozent.

MRP-Modellierung

Die Schätzung der Abstimmungsabsichten erfolgte mit einem sogenannten Mehrebenen-Regressionsmodell mit Poststratifikation (MRP). Dabei wird in einem statistischen Verfahren die Beziehung zwischen einer Vielzahl von Merkmalen potenzieller Abstimmungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und ihrer Präferenzen – d.h., ob sie bei einem Abstimmungsthema (aktuell eher) mit ja oder nein abstimmen würden – geschätzt. Das Modell identifiziert so unterschiedliche Gruppen der Stimmbevölkerung, für die die Wahrscheinlichkeit, mit ja oder nein zu stimmen, berechnet wird. Als Gruppen berücksichtigen wir die verschiedensten Kombinationen aus Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Parteipräferenz und Kanton.

Zunächst wird die Teilnahmewahrscheinlichkeit an den Referenden für alle kombinierten Gruppen geschätzt. Anschliessend folgt eine Schätzung des Abstimmungsverhaltens der Gruppen bei den Referenden. Für Gruppen, für die nur wenige Beobachtungen zur Verfügung stehen, kann die Mehrebenenregression die Schätzung durch die Daten von ähnlichen Gruppen verstärken. Die Vorhersage auf Gruppenebene wird mit Hilfe der bekannten Bevölkerungsanteile (Daten des BFS Schweiz) und der vorhergesagten Teilnahmewahrscheinlichkeit auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Wie bei jeder Messung mit Befragungsdaten ist die MRP-Modellierung der Abstimmungsabsicht mit Unsicherheit behaftet. Daher geben wir für die Ja-Anteile jeder Abstimmung «Konfidenzintervalle» an, denn die Ja-Anteile sind schlussendlich ausschlaggebend, ob eine Vorlage angenommen oder abgelehnt wird. Das Konfidenzintervall soll mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent den wahren Anteil einschliessen. Einfach ausgedrückt – wenn auch in der Sprache der frequentistischen Statistik nicht ganz exakt – ist zu beachten, dass der wahre Wert mit grösserer Wahrscheinlichkeit näher in der Mitte des Intervalls liegt als an dessen Rändern.

Mit der MRP-Modellierung der Abstimmungsabsichten möchten wir einen Beitrag zur grösseren Vielfalt und Transparenz in der Meinungsforschung leisten. Neben den inhaltlichen Erkenntnissen, die unsere Analysen der Öffentlichkeit bieten, präsentieren wir einen neuen Vergleichswert, der es ermöglicht, verschiedene Umfrageansätze und deren Ergebnisse besser einzuordnen. Wir sind uns bewusst, dass MRP-Modelle bei der Analyse von Abstimmungsumfragen in der Schweiz einen relativ neuen methodischen Ansatz darstellen. Wir arbeiten stetig daran, unsere Methoden zu prüfen und zu verbessern. Als empirisch arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fühlen wir uns dazu verpflichtet, innovative Methoden einzusetzen und zu testen, um die Messung von politischen Präferenzen und politischer Stimmung zu verbessern und Ergebnisse zur Verfügung zu stellen, die zeigen, was die Welt denkt.

NLP (Natural Language Processing)

Mithilfe von NLP werden unstrukturierte Textantworten in ein systematisches Argumentationsnetzwerk überführt und analysiert, welche Begründungen den Abstimmungsentscheid besonders stark prägen. Offene Antworten liegen zunächst als freier Text vor und sind in dieser Form nur begrenzt direkt auswertbar. Durch NLP werden diese Inhalte in semantische Bestandteile zerlegt und in numerische Repräsentationen übersetzt. Darauf aufbauend lassen sich Muster wie Themencluster, Stimmungen oder zentrale Einflussfaktoren identifizieren. So entsteht aus einer Vielzahl individueller Aussagen ein konsistentes, quantitativ analysierbares Gesamtbild.

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