Zum Weltfrauentag am 8. März zeigen YouGov-Daten, wie Bürgerinnen und Bürger zur Gleichstellung stehen, ob sie die Gleichstellung der Geschlechter schon erreicht sehen oder nicht und in welchen Bereichen sie Frauen und Männer benachteiligt sehen.

Wie ist der Stand der Gleichstellung in Deutschland – aus Sicht von Bürgerinnen und Bürgern

Die weit überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland findet, dass Frauen und Männer gleichgestellt sein sollten. Insgesamt sind 85 Prozent dieser Meinung. 9 Prozent denken, dass Frauen und Männer nicht gleichgestellt sein sollten und 6 Prozent sind unentschlossen. Frauen und Männer sind gleichermaßen für Gleichstellung: 86 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen sind der Meinung, dass die Geschlechter gleichgestellt sein sollten. 10 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen sind nicht dieser Meinung, 4 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen sind unentschieden.

Junge Menschen sind weniger häufig der Meinung, dass die Geschlechter gleichgestellt sein sollten. 77 Prozent der 18-29-Jährigen sind der Meinung, dass Frauen und Männer vollständig gleichgestellt sein sollten. Je älter Bürgerinnen und Bürger sind, desto höher ist dieser Anteil: 90 Prozent der 60-69-Jährigen sind dieser Meinung, bei Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 70 Jahren und älter sind es 89 Prozent.

Ist Gleichstellung überhaupt erreichbar?

Mit Blick darauf, ob die Geschlechter aktuell in Deutschland gleichgestellt sind, glauben 41 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern noch nicht erreicht ist. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) glaubt dies nicht. Frauen sind deutlich pessimistischer als Männer: 71 Prozent glauben, dass Gleichstellung noch nicht erreicht ist, nur 29 Prozent sind der Meinung, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichgestellt sind. Zum Vergleich: Mehr als die Hälfte der Männer (54 Prozent) glaubt, dass Männer und Frauen gleichgestellt sind. 46 Prozent sind der Meinung, dass Gleichstellung noch nicht erreicht ist.

Wie verbreitet ist die Benachteiligung von Frauen in Deutschland?

Wie viele Lebensbereiche betrifft die Benachteiligung von Frauen? Bürgerinnen und Bürger wählen aus einer Liste von 14 Bereichen im Durchschnitt (also: arithmetisches Mittel) 4 Bereiche aus, von denen sie glauben, dass Frauen dort heute benachteiligt werden. Zum Vergleich: Wenn Bürgerinnen und Bürger danach gefragt werden, in welchen dieser 14 Bereiche Männer benachteiligt werden, wählen sie im Durchschnitt 1,5 Bereiche aus.

Männer glauben, dass Frauen in weniger Bereichen diskriminiert werden, als Frauen dies glauben: Im Durchschnitt wählen Männer 3,1 Bereiche aus, Frauen dagegen 4,8 Bereiche. Umgekehrt ist das Bild, wenn nach Benachteiligung von Männern gefragt wird: Männer glauben im Durchschnitt, dass sie in 1,7 Bereichen diskriminiert werden. Frauen glauben dagegen, dass Männer in durchschnittlich 1,2 Bereichen diskriminiert werden.

In welchen Lebensbereichen werden Frauen benachteiligt?

Und in welchen Bereichen werden Frauen heute in Deutschland benachteiligt? Die fünf am häufigsten gewählten Bereiche sind Lohn und Gehalt (66 Prozent), Karriere und die Möglichkeit, in Führungspositionen aufzusteigen (54 Prozent), Schutz vor Gewalt und Kriminalität (44 Prozent), Rente (38 Prozent) und auf dem Arbeitsmarkt (36 Prozent). Im Bildungsbereich (Universität: 8 Prozent, Schule: 6 Prozent) und beim Sorgerecht (8 Prozent) wird dagegen besonders selten Benachteiligung von Frauen gesehen.

Die Einschätzungen von Frauen und Männern unterscheiden sich besonders stark bei den Bereichen Lohn und Gehalt (Frauen: 76 Prozent, Männer: 55 Prozent), Karriere (Frauen: 64 Prozent, Männer: 43 Prozent), Rente (Frauen: 48 Prozent, Männer: 28 Prozent) und im Arbeitsmarkt (Frauen: 44 Prozent, Männer: 26 Prozent). Und auch in den Bereichen politische Interessensvertretung (Frauen: 36 Prozent, Männer: 21 Prozent) und Verantwortung für den Haushalt (Frauen: 36 Prozent, Männer: 22 Prozent) nehmen Frauen und Männer die aktuelle gesellschaftliche Situation deutlich verschieden wahr.

Und in welchen Lebensbereichen werden Männer benachteiligt?

In welchen Bereichen glauben Bürgerinnen und Bürger, dass Männer in Deutschland benachteiligt werden? Bürgerinnen und Bürger finden, dies ist vor allem beim Sorgerecht (44 Prozent), bei der Kindererziehung (23 Prozent) und beim Wehrdienst (20 Prozent) der Fall. Die größten Unterschiede in der Wahrnehmung von Frauen und Männern gibt es beim Wehrdienst (Frauen: 17 Prozent, Männer: 24 Prozent) – und bei der Art und Weise, wie Männer in den Medien dargestellt werden (Frauen: 16 Prozent, Männer: 24 Prozent).

Frauen und Männer sind sich weitgehend einig darin, welches Geschlecht in welchen Lebensbereichen benachteiligt wird

Männer nehmen weniger häufig Benachteiligungen von Frauen wahr als Frauen dies tun. In der grundsätzlichen Wahrnehmung aber, in welchen Lebensbereichen die beiden Geschlechter benachteiligt werden und in welchen nicht, sind sich Frauen und Männer ziemlich einig. Beide Geschlechter finden, Frauen werden eher als Männer bei Lohn und Gehalt, Karriere und Führungspositionen, beim Schutz vor Gewalt und Kriminalität, bei der Rente und im Arbeitsmarkt benachteiligt. Männer dagegen erfahren aus Sicht von beiden Geschlechtern Benachteiligung eher beim Sorgerecht und beim Wehrdienst.

Wirklich nennenswert fällt die Wahrnehmung von Frauen und Männern bei der Kindererziehung auseinander: 29 Prozent der Frauen glauben, dass sie in diesem Bereich benachteiligt würden, 22 Prozent der Frauen sind der Auffassung, dass in diesem Bereich Männer benachteiligt werden. Das Bild kehrt sich um, wenn Männer gefragt werden: 20 Prozent glauben, dass Frauen bei der Kindererziehung benachteiligt werden – und 25 Prozent denken das von Männern.

Gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten waren gut für Männer – sagt jeder dritte Mann

Waren die gesellschaftlichen Veränderungen, die die Frauenbewegung in den letzten Jahrzehnten in Deutschland bewirkt hat, gut oder schlecht für Männer? Rund ein Drittel (30 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland meint: Sie waren gut für Männer.

14 Prozent sind der Meinung, dass sie schlecht waren und 44 Prozent schätzen die Veränderungen für Männer als neutral ein. Unter Männern sind 33 Prozent der Auffassung, dass diese Veränderungen gut für ihr Geschlecht waren. 16 Prozent glauben, sie waren schlecht und 43 Prozent neutral. Frauen sind weniger optimistisch hinsichtlich der Auswirkungen auf Männer: 28 Prozent denken, dass diese Veränderungen gut für Männer waren – immerhin 5 Punkte weniger als unter Männern. 12 Prozent glauben, sie waren schlecht für Männer und 45 Prozent neutral.

Methode:

Diese Umfrage wurde von YouGov Deutschland als Eigenstudie im YouGov Omnibus Politik durchgeführt. Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des unternehmenseigenen YouGov Panels. Die Mitglieder des Panels haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 06. bis 09.02.2026 insgesamt 2.042 Personen in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, politischem Interesse und Wahlverhalten, befragt. Die Stichprobe bildet die Wahlberechtigten Deutschlands ab 18 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.

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