Wie will die Schweiz am 14. Juni abstimmen? – Das finale Stimmungsbarometer von YouGov Schweiz zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 14. Juni 2026
Die endgültigen Daten des zweiten YouGov Schweiz Stimmungsbarometers zu den Abstimmungen über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» sowie über die Änderung des Zivildienstgesetz zeigen, wie sich die Stimmbevölkerung aktuell entscheiden würde. Dafür wurden die Antworten von 3’129 Befragten aus dem Zeitraum vom 18. Mai bis 01. Juni ausgewertet.
Die finalen Resultate bestätigen den Trend, der sich bereits im Zwischenstand vom 27. Mai abzeichnete: Die Ja-Anteile für beide Initiativen sind in den letzten Wochen spürbar zurückgegangen, während die Nein-Anteile zulegen – bei der Nachhaltigkeitsinitiative überschreitet er sogar die 50‑Prozent-Grenze.


Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze – Summary
Würde heute schon abgestimmt, würden 38 Prozent der Stimmberechtigten für die Nachhaltigkeitsinitiative stimmen. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als im Vergleich zum ersten Stimmungsbarometer vom 5. Mai. Eine Mehrheit von 55 Prozent würde aktuell mit Nein stimmen (+9 Prozentpunkte), 7 Prozent ( -1 Prozentpunkt) können oder wollen sich im Moment noch nicht festlegen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Initiative an der Urne scheitert. Da die Schätzungen mit einer statistischen Unsicherheit behaftet sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings auch die Annahme nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Stimmungsbilder in den einzelnen Kantonen bestätigen den Eindruck, dass die Initiative aktuell abgelehnt würde. In der grossen Mehrheit der Kantone, insbesondere in der Westschweiz und im urbanen Raum, bliebe der Ja-Anteil eindeutig unter der 50 Prozent-Grenze. Die mittlerweile häufigste Begründung, weshalb man die Initiative ablehnen würde, ist die Sorge vor daraus folgendem Chaos, ergänzt durch wachsende Bedenken hinsichtlich wirtschaftlicher Folgen und Diskriminierung. Im Ja-Lager hat sich die Argumentation zunehmend auf Zuwanderung und Wachstumsbegrenzung verlagert, wobei Zuwanderung mittlerweile der wichtigste Zustimmungstreiber ist – ein Hinweis auf die zunehmende Polarisierung der Debatte.
Ausschlaggebend für die Haltung zur Initiative ist zudem die politische Orientierung: Während die Unterstützung in der SVP-Wählerschaft mit 85 Prozent stabil bleibt, hat die Ablehnung insbesondere im linken Lager weiter deutlich zugenommen – etwa bei der SP, deren Anhängerschaft die Initiative nahezu geschlossen ablehnt. Auch bei den Mitte-Wählenden ist die Zustimmung deutlich zurückgegangen und liegt aktuell noch bei 24 Prozent, während sie bei der FDP-Anhängerschaft weiterhin bei rund einem Drittel verharrt.
Bei der Änderung des Zivildienstgesetzes ist das Nein-Lager ebenfalls über die letzten Wochen auf nunmehr 49 Prozent gewachsen (+9 Prozentpunkte im Vergleich zum ersten Stimmungsbarometer). Mit Ja würden aktuell 37 Prozent stimmen (-4 Prozentpunkte), 14 Prozent sind noch unentschlossen (-5 Prozentpunkte). Somit ist auch für das Zivildienstgesetz die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es abgelehnt wird. Insbesondere aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils Unentschlossener unter den Stimmberechtigten ist das aktuelle Bild jedoch weniger eindeutig als bei der Nachhaltigkeitsinitiative. Der Blick auf die Kantone liefert jedoch weitere gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die Gesetzesänderung an der Urne zu scheitern droht. In keinem Einzigen Kanton liegt der geschätzte aktuelle Ja-Stimmenanteil eindeutig über der Marke von 50 Prozent. Die Wahrnehmung, dass die Gesetzesänderung unnötig sei, hat dabei als Grund für die Ablehnung an Bedeutung gewonnen, während die Einschätzung des gesellschaftlichen Werts des Zivildienstes leicht an Relevanz verliert. Im Ja-Lager bleibt die Wichtigkeit des Militärdienstes der zentrale Zustimmungstreiber.
Auch beim Zivildienstgesetz zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen Stimmabsicht und politischer Orientierung. Während in den Wählerschaften der Grünen und der SP jeweils mehr als drei Viertel die Vorlage ablehnen, würde eine Mehrheit der Anhängerinnen und Anhänger von Mitte, FDP und SVP zustimmen. Darüber hinaus bestehen deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht: Unter den Männern liegt die Zustimmung deutlich höher als unter den Frauen (43 zu 31 Prozent), je jünger die Stimmberechtigten sind, desto tiefer ist hingegen der Ja-Stimmenanteil.
Der Ausgang der Abstimmungen dürfte weiterhin stark von der Mobilisierung in den letzten Kampagnentagen abhängen. Für die Nachhaltigkeitsinitiative wird dabei entscheidend sein, welchem Lager es gelingt, das bürgerlich-konservative Spektrum zu überzeugen. Gleichzeitig hat die Mobilisierung auch direkte Auswirkungen auf das Zivildienstgesetz: Eine hohe Beteiligung in der politischen Mitte und rechts davon würde dessen Annahmechancen erhöhen, während eine überdurchschnittliche Mobilisierung links der Mitte sowie bei jüngeren und weiblichen Stimmberechtigten eher in einer Ablehnung resultieren würde.
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Ausführliche Ergebnisse
Um was geht es in den nächsten Abstimmungen?
Am Sonntag, den 14. Juni 2026, entscheiden die stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizer über eine Begrenzung der Zuwanderung (Nachhaltigkeitsinitiative) sowie eine Änderung des Zivildienstgesetzes.
Die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP verlangt, dass die Bevölkerungszahl der Schweiz unter der Marke von 10 Millionen Menschen bleibt. Um dies zu erreichen, fordert sie einschneidende Massnahmen in der Zuwanderungspolitik.
Die Änderung des Zivildienstgesetzes soll hingegen den Übertritt vom Militär- in den Zivildienst erschweren, insbesondere nach der Rekrutenschule. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, den Zivildienst weniger attraktiv zu gestalten, etwa durch eine Erhöhung der Mindestanzahl an Diensttagen.
Wie ist das aktuelle Stimmungsbild in der Bevölkerung?
Das aktuelle Stimmungsbarometer von YouGov Schweiz liefert eine Momentaufnahme der Stimmungslage der Bevölkerung, bevor der Abstimmungskampf in seine finale Phase übergeht. Eine detaillierte Beschreibung der verwendeten Modellierungsmethode (MRP – Mehrebenen-Regressionsmodell mit Poststratifikation), auf der unsere Schätzungen basieren, findet sich im Abschnitt Methodische Erläuterungen.
Etwa eineinhalb Wochen vor dem Abstimmungswochenende sind die Prioritäten der Stimmbevölkerung klar erkennbar. Auf die Frage, wie wichtig die einzelnen Vorlagen für sie sind (auf einer Skala von 0 bis 10), geben 75 Prozent der Befragten an, die Abstimmung über die Nachhaltigkeitsinitiative wichtig zu finden (Werte zwischen 7 und 10). Die Abstimmung über das Zivildienstgesetz ist lediglich für knapp die Hälfte der Stimmbevölkerung wichtig. Gleichzeitig finden 51 Prozent die Vorlage zur Nachhaltigkeitsinitiative komplex, während dies im Zusammenhang mit dem Zivildienstgesetz nur auf 32 Prozent der Befragten zutrifft. Somit sind seit dem ersten Stimmungsbarometer sowohl die Unterschiede in der wahrgenommenen Wichtigkeit als auch in der empfundene Komplexität zwischen den beiden Vorlagen gewachsen.


Nachhaltigkeitsinitiative
Der starke Fokus auf die Nachhaltigkeitsinitiative zeigt sich auch in der Betrachtung der Stimmabsichten über verschiedene Bevölkerungsgruppen. Der Anteil an Stimmberechtigten, die aktuell noch unentschlossen sind, ist durchwegs tiefer als beim Zivildienstgesetz. Grundsätzlich bestehen zwischen verschiedenen demografischen Gruppen weiterhin nur moderate Unterschiede für die Abstimmung über die Nachhaltigkeitsinitiative. Unter den Männern ist der Zuspruch für die Initiative leicht stärker als unter den Frauen. Differenziert nach Altersgruppen ist unter den 45- bis 59-Jährigen der Ja-Stimmenanteil vergleichsweise am höchsten, während die Gruppe 60+ aktuell den höchsten Nein-Stimmenanteil aufweist. Gänzlich unerheblich für die Abstimmungsabsicht scheint zu sein, ob eine Stimmberechtigte Person einen Migrationshintergrund hat oder nicht.
Entscheidend, ob man die Initiative annehmen oder ablehnen möchte, ist hingegen die politische Orientierung. Während der Zuspruch in der SVP-Wählerschaft mit 85 Prozent im Vergleich zum ersten Stimmungsbarometer nahezu unverändert geblieben ist, ist die Ablehnung unter den Anhängerinnen und Anhängern der Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums weiter gewachsen. Aktuell würden 92 Prozent der SP-Anhängerschaft gegen die Initiative stimmen. Auch bei den Mitte-Wählerinnen und Wählern ist der Ja-Stimmenanteil auf aktuell 24 Prozent gesunken (-9 Prozentpunkte im Vergleich zum ersten Stimmungsbarometer). Aus der FDP-Anhängerschaft würde hingegen weiterhin etwa ein Drittel für die Initiative stimmen.

Zivildienstgesetz
Auch beim Zivildienstgesetz ist die Stimmabsicht eng mit der politischen Orientierung verbunden. Während momentan von den Wählerschaften der Grünen und SP jeweils mehr als Dreiviertel die Gesetzesänderung ablehnen, würden die Anhängerinnen und Anhängern von Mitte, FDP und SVP mehrheitlich dafür stimmen. Anders als bei der Nachhaltigkeitsinitiative sind die Stimmanteile jedoch zusätzlich stark nach demografischen Merkmalen verteilt. So ist der Ja-Anteil unter den Frauen deutlich tiefer als unter den Männern, wobei jedoch gleichzeitig der Anteil Unentschlossener doppelt so hoch ist (18 Prozent der Frauen vs. 9 Prozent der Männer). Über die Altersgruppen hinweg bestehen ebenfalls sehr deutliche Unterschiede. Je Jünger eine stimmberechtigte Person ist, desto seltener würde sie aktuell mit Ja stimmen. Insgesamt liegt die Differenz zwischen der Gruppe 60+ (45 Prozent Zustimmung) und der 18- bis 29-Jährigen (20 Prozent Zustimmung) bei 25 Prozentpunkten.

Differenzierte Insights dank Schätzung der Abstimmungsabsichten auf kantonaler Ebene
Mithilfe des MRP-Modells können wir nicht nur auf Bundes- sondern auch auf kantonaler Ebene schätzen, wie die Abstimmungen aktuell ausgehen würden. Dabei werden kantonale Charakteristiken berücksichtigt, gleichzeitig jedoch die Gesamtheit der Befragungsdaten genutzt, um die momentanen Abstimmungsabsichten in allen Kantonen zu schätzen. So können wir auch für Kantone mit geringer Bevölkerungsgrösse Ergebnisse ausweisen.
Wichtig ist dabei zu betonen, dass es sich um Schätzungen handelt. Das heisst, die Ergebnisse sollten nicht als exakte Prognose für jeden einzelnen Kanton missverstanden werden. Vielmehr erlauben sie, Muster zu untersuchen und aufzudecken, worin sich manche Kantone ähneln und andere unterscheiden. Wir differenzieren dabei zwischen Kantonen mit unsicherer Schätzbasis und Kantonen, bei denen die Schätzung zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt. Ersteres bedeutet, dass aufgrund der verfügbaren Datenbasis und Modelperformanz für bestimmte Kantone die Schätzung mit besonderer Vorsicht zu geniessen ist. Zweiteres hingegen bedeutet, dass in einem Kanton das geschätzte Ergebnis nicht eindeutig über oder unter der 50 Prozent-Grenze für die Annahme einer Vorlage liegt.
Im Vergleich zum ersten Stimmungsbarometer zeigt sich für die Nachhaltigkeitsinitiative auch auf kantonaler Ebene ein Trend in Richtung Ablehnung. Aktuell würde der Ja-Stimmenanteil in den meisten Kantonen eindeutig unter der 50 Prozent-Grenze bleiben. Lediglich in fünf Kantonen der Zentral- und Ostschweiz ist das geschätzte Ergebnis momentan zu knapp für eine klare Aussage. Obwalden ist hingegen der einzige Kanton, in dem zum aktuellen Zeitpunkt eine eindeutige Mehrheit für die Initiative stimmen würde.

Noch deutlicher sind die kantonalen Stimmungsbilder bezüglich des Zivildienstgesetzes. In keinem Kanton würde die Gesetzesänderung aktuell eindeutig angenommen. In Nidwalden, Obwalden, Uri und Appenzell Ausserrhoden ist die Tendenz momentan nicht klar zu bestimmen, während in allen anderen Kantonen der Ja-Stimmenanteil unter der 50 Prozent-Grenze bliebe. Der Blick in die Kantone schärft damit das Gesamtbild und macht deutlich, dass bei einer Abstimmung zum aktuellen Zeitpunkt kaum Chancen für eine Annahme des Gesetzes bestünden.

Jenseits der Prozentwerte: das Warum hinter den Abstimmungsabsichten
Ein umfassendes Stimmungsbild sollte nicht nur Auskunft darüber geben, wie viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aktuell für oder gegen eine Initiative stimmen würden, sondern auch warum. Um die Gründe hinter den Abstimmungsabsichten zu verstehen, wurden die Teilnehmenden der Umfrage daher gebeten, ihre Abstimmungsabsicht in einer offenen Antwort zu begründen. Diese Texte haben wir mittels Natural Language Processing (NLP) ausgewertet. Mit der Methode können Themenfelder identifiziert, ihre Nennhäufigkeit erfasst und ihr Einfluss auf Zustimmung bzw. Ablehnung quantifiziert werden. So ergeben sich aus freien Antworten strukturierte Einsichten über Motive und Prioritäten – inklusive seltener, aber besonders wirkungsvoller Argumente.
Die Diskussion zur Nachhaltigkeitsinitiative im Pro-Lager hat sich über die Zeit hinweg zunehmend auf die Themen Zuwanderung und Wachstumsbegrenzung fokussiert. Während zu Beginn noch Infrastruktur- und Zukunftsargumente eine wichtige Rolle spielten, werden diese aktuell deutlich seltener genannt. Gleichzeitig hat sich das Thema Zuwanderung mit einer Häufigkeit von 16.3 Prozent zum klar dominierenden Zustimmungstreiber entwickelt und damit seine Bedeutung gegenüber mehr als verdoppelt. Auf der Ablehnungsseite bleibt die Wahrnehmung, dass die Initiative Chaos stiftet der wichtigste Gegenpol und hat weiter an Bedeutung gewonnen. Ergänzend gewinnen Sorgen vor negativen wirtschaftlichen Folgen und Diskriminierungsargumente an Gewicht, was auf eine zunehmende Polarisierung zwischen Begrenzungs- und Offenheitsargumenten hindeutet.

Die Diskussion zum Zivildienstgesetz wird weiterhin stark durch sicherheits- und verteidigungspolitische Überlegungen geprägt. Die wahrgenommene Wichtigkeit des Militärdiensts bleibt der mit Abstand wichtigste Zustimmungstreiber und hat über die Zeit hinweg zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Auf der Gegenseite verliert die gesellschaftliche Bedeutung des Zivildienstes zwar leicht an Gewicht, gleichzeitig steigt jedoch die Wahrnehmung, dass die Gesetzesänderung unnötig sei, deutlich an und etabliert sich als weiterer zentraler Ablehnungsgrund.

Was bedeutet das für die Abstimmungen am 14. Juni?
Die Endresultate des zweiten YouGov Stimmungsbarometers zu den Abstimmungen am 14. Juni zeigen eine Dynamik, die sich schon in den Zwischenresultaten der letzten Woche angedeutet hat. In der heissen Phase des Abstimmungskampfs ist das Nein-Lager bei beiden Vorlagen stetig gewachsen. Hatte das erste Stimmungsbarometer sowohl bei der Nachhaltigkeitsinitiative als auch beim Zivildienstgesetz eine Patt-Situation gemessen, wäre nun in beiden Fällen ein Scheitern an der Urne das wahrscheinlichere Resultat, wenn heute schon abgestimmt würde.
Die tatsächlichen Abstimmungen finden jedoch erst am 14. Juni statt. Auf den letzten Metern wird dabei entscheidend sein, welches politische Lager die erfolgreichere Mobilisierungsstrategie fährt. Ein Fokus dürfte dabei auf den Stimmberechtigten mit bürgerlich-konservativer politischer Orientierung liegen. Schafft es die SVP auch ausserhalb ihrer Kernwählerschaft mit der Nachhaltigkeitsinitiative zu überzeugen, könnte sich das Blatt noch wenden. Sollte es der Gegenseite jedoch gelingen, auch von den Bürgerlich-Konservativen einen Grossteil zur Abgabe einer Nein-Stimme zu mobilisieren, dürfte die Initiative scheitern.
Der Mobilisierungsaspekt könnte dabei auch Nebeneffekte für das Zivildienstgesetz haben. Bei einer hohen Stimmbeteiligung der Lager aus der politischen Mitte und rechts davon würden die Chancen für die Annahme der Gesetzesänderung wieder steigen. Wenn jedoch links der Mitte sowie überdurchschnittlich viele junge und weibliche Stimmberechtigte an der Abstimmung teilnehmen, ist auch hier mit einer Ablehnung zu rechnen.
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Methodische Erläuterungen
Die oben präsentierten Resultate basieren auf einer Umfrage, die die YouGov Schweiz AG (ehemals LINK Marketing Services AG) als Eigenstudie mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für den Zwischenstand der aktuellen Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 18. Mai und 01. Juni 2026 insgesamt 3’129 Personen in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion, befragt. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der stimmberechtigten Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab. Die präsentierten Werte der aktuellen Abstimmungsabsicht wurden mittels MRP-Modellierung berechnet, alle anderen abgebildeten Daten sind gewichtete Werte. Die Gewichtung basiert auf den Variablen Alter, Geschlecht, Sprachregion, Erwerbstätigkeit und Haushaltsgrösse. Bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit liegt der Stichprobenfehler bei ±1.95 Prozent. Für die erste Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 21. April und 4. Mai 2026 insgesamt 3’020 Personen befragt. Der Stichprobenfehler liegt hier bei ±1.78 Prozent.
MRP-Modellierung
Die Schätzung der Abstimmungsabsichten erfolgte mit einem sogenannten Mehrebenen-Regressionsmodell mit Poststratifikation (MRP). Dabei wird in einem statistischen Verfahren die Beziehung zwischen einer Vielzahl von Merkmalen potenzieller Abstimmungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und ihrer Präferenzen – d.h., ob sie bei einem Abstimmungsthema (aktuell eher) mit ja oder nein abstimmen würden – geschätzt. Das Modell identifiziert so unterschiedliche Gruppen der Stimmbevölkerung, für die die Wahrscheinlichkeit, mit ja oder nein zu stimmen, berechnet wird. Als Gruppen berücksichtigen wir die verschiedensten Kombinationen aus Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Parteipräferenz und Kanton.
Zunächst wird die Teilnahmewahrscheinlichkeit an den Referenden für alle kombinierten Gruppen geschätzt. Anschliessend folgt eine Schätzung des Abstimmungsverhaltens der Gruppen bei den Referenden. Für Gruppen, für die nur wenige Beobachtungen zur Verfügung stehen, kann die Mehrebenenregression die Schätzung durch die Daten von ähnlichen Gruppen verstärken. Die Vorhersage auf Gruppenebene wird mit Hilfe der bekannten Bevölkerungsanteile (Daten des BFS Schweiz) und der vorhergesagten Teilnahmewahrscheinlichkeit auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.
Wie bei jeder Messung mit Befragungsdaten ist die MRP-Modellierung der Abstimmungsabsicht mit Unsicherheit behaftet. Daher geben wir für die Ja-Anteile jeder Abstimmung «Konfidenzintervalle» an, denn die Ja-Anteile sind schlussendlich ausschlaggebend, ob eine Vorlage angenommen oder abgelehnt wird. Das Konfidenzintervall soll mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent den wahren Anteil einschliessen. Einfach ausgedrückt – wenn auch in der Sprache der frequentistischen Statistik nicht ganz exakt – ist zu beachten, dass der wahre Wert mit grösserer Wahrscheinlichkeit näher in der Mitte des Intervalls liegt als an dessen Rändern.
Mit der MRP-Modellierung der Abstimmungsabsichten möchten wir einen Beitrag zur grösseren Vielfalt und Transparenz in der Meinungsforschung leisten. Neben den inhaltlichen Erkenntnissen, die unsere Analysen der Öffentlichkeit bieten, präsentieren wir einen neuen Vergleichswert, der es ermöglicht, verschiedene Umfrageansätze und deren Ergebnisse besser einzuordnen. Wir sind uns bewusst, dass MRP-Modelle bei der Analyse von Abstimmungsumfragen in der Schweiz einen relativ neuen methodischen Ansatz darstellen. Wir arbeiten stetig daran, unsere Methoden zu prüfen und zu verbessern. Als empirisch arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fühlen wir uns dazu verpflichtet, innovative Methoden einzusetzen und zu testen, um die Messung von politischen Präferenzen und politischer Stimmung zu verbessern und Ergebnisse zur Verfügung zu stellen, die zeigen, was die Welt denkt.
NLP (Natural Language Processing)
Mithilfe von NLP werden unstrukturierte Textantworten in ein systematisches Argumentationsnetzwerk überführt und analysiert, welche Begründungen den Abstimmungsentscheid besonders stark prägen. Offene Antworten liegen zunächst als freier Text vor und sind in dieser Form nur begrenzt direkt auswertbar. Durch NLP werden diese Inhalte in semantische Bestandteile zerlegt und in numerische Repräsentationen übersetzt. Darauf aufbauend lassen sich Muster wie Themencluster, Stimmungen oder zentrale Einflussfaktoren identifizieren. So entsteht aus einer Vielzahl individueller Aussagen ein konsistentes, quantitativ analysierbares Gesamtbild.
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