Aktuell berät das Schweizer Parlament über einen Vorschlag des Bundesrats, die Eigenkapitalanforderungen für international tätige Grossbanken zu verschärfen. Die UBS als einzige solche Bank in der Schweiz kritisiert diesen Entscheid scharf und warnt vor negativen Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit und den Wirtschaftsstandort Schweiz. Doch wo steht in dieser Debatte, öffentlich prominent geführt zwischen Bundesrätin Karin Keller-Sutter und der UBS, eigentlich die Bevölkerung?
Eine aktuelle Umfrage von YouGov Schweiz liefert dazu ein deutliches Bild. Zwischen dem 3. und 9. Juni 2026 wurden 1’008 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die erwachsene Wohnbevölkerung dieser beiden Sprachregionen.
Bekanntheit der Debatte
Die Diskussion um strengere Regulierung ist bei einer Mehrheit der Bevölkerung angekommen. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) hat die Debatte zumindest am Rande verfolgt. Allerdings ist diese Aufmerksamkeit soziodemografisch ungleich verteilt. Besonders Männern und Personen mit höherem Bildungsniveau ist die Debatte bekannt. Der Anteil der Männer, die die Diskussion verfolgt haben, ist fast doppelt so hoch wie der der Frauen (70 % vs. 39 %). Auch Bildung macht einen deutlichen Unterschied. Während unter den Personen mit hohem Bildungsabschluss 62 % die Debatte verfolgen, sind es unter den Personen mit tieferer oder mittlerer Bildung 47 %.

Grundhaltung: deutlich pro sterngere Eigenkapitalvorschriften
Trotz dieser Unterschiede in der Aufmerksamkeit zeigt sich in der Sache selbst ein bemerkenswert klares Bild. Mit 75 % befürwortet eine grosse Mehrheit der Bevölkerung strengere Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken wie die UBS, um Risiken für die Schweiz zu reduzieren. Diese Haltung geht mit einer hohen Risikowahrnehmung in der Bevölkerung bezüglich der Auswirkungen einer hypothetischen Bankenkrise einher. 78 % schätzen das Risiko, dass eine Krise bei einer Grossbank wie der UBS erhebliche Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft hätte, als eher gross respektive sehr gross ein.
Bemerkenswert ist zudem, dass sich diese Einschätzungen unter den informierten Personen noch verstärken. Wer die Debatte verfolgt, unterstützt strengere Vorschriften häufiger (80 %) und schätzt mögliche Risiken einer Bankenkrise noch häufiger (84 %) als sehr oder eher gross ein.


Gespaltene Haltung bei staatlicher Unterstützung im Krisenfall
Ein differenzierteres Bild zeigt sich hingegen bei der Frage nach staatlichen Rettungsmassnahmen im Krisenfall. Zwar stimmen 41 % der Aussage zu, dass der Staat systemrelevante Banken wie die UBS im Notfall unterstützen sollte um die Wirtschaft zu schützen. Gleichzeitig lehnt knapp ein Drittel (32 %) dies jedoch (eher) ab, während 19 % unentschlossen sind.
Daraus wird deutlich, dass die hohe Risikowahrnehmung nicht automatisch mit einer Bereitschaft zu staatlicher Unterstützung im Krisenfall einhergeht. Stattdessen unterscheidet die Bevölkerung zwischen Prävention (strengere Regeln) und Intervention (staatliche Rettung) und steht Letzterer deutlich weniger zustimmend gegenüber.

Geringe Sorgen vor Verlust der Standortattraktivität
Auch bei der Frage nach möglichen Standortnachteilen infolge strengerer Regulierung zeigt sich eine differenzierte, aber insgesamt stabile Haltung. 72 % der Befragten stimmen (eher) zu, dass die Schweiz bei strengeren Kapitalregeln bleiben sollte, auch wenn die UBS mit Abwanderung droht. Gleichzeitig erkennen viele Befragte durchaus die potenziellen Konsequenzen. Etwas mehr als die Hälfte (53 %) stimmt zu, dass strengere Regulierung grundsätzlich dazu führen könnten, dass die UBS Teile ihres Geschäfts ins Ausland verlagert. 52 % der Befragten halten ein solches Szenario für eher oder sehr wahrscheinlich.
Ein Drittel der Befragten (33 %) hält es allerdings für eher oder sehr unwahrscheinlich, dass die UBS bei sehr strengen Regulierungen mittelfristig Geschäftsbereiche ins Ausland verlagern würde. Interessanterweise ist dieser Anteil unter denjenigen, die die Debatte verfolgen, höher als unter denjenigen, die das nicht tun (38 % vs. 28 %).


Auf die Frage, ob die Schweiz ihre Bankenregulierung anpassen solle, um zu verhindern, dass es zur Abwanderung der UBS kommt, hat die Schweizer Bevölkerung keine eindeutige Meinung. 37 % stimmen dem (eher) nicht zu, 35 % stimmen dem (eher) zu und 21 % wollen oder können sich weder auf die eine noch auf die andere Seite der Debatte stellen. Ähnlich divers ist die öffentliche Meinung auch hinsichtlich der Aussage, die Bedeutung der UBS für die Schweizer Wirtschaft sei so gross, dass man ihre Anliegen stärker berücksichtigen solle. 25 % der Befragten äussern hier (eher) Zustimmung, 35 % dagegen (eher) nicht. Weitere 30 % zeigen sich unentschlossen.
Sicherheit geht vor Wettbewerbsfähigkeit
Bei der Abwägung zwischen der Sicherheit des Finanzsystems auf der einen und dem Wirtschaftswachstum von Banken auf der anderen Seite plädiert jedoch eine relative Mehrheit für Ersteres. 49 % finden eine höhere Sicherheit des Finanzsystems wichtiger für die Schweiz, auch wenn dies das Wachstum oder die internationalen Aktivitäten von Schweizer Banken einschränkt. Nur 8 % ziehen dagegen eine starke Wettbewerbsfähigkeit für Schweizer Banken vor, während 37 % beides als gleich wichtig empfinden.

In Übereinstimmung mit dieser Grundhaltung ist eine grosse Mehrheit der Befragten (79 %) ebenfalls eher oder klar für strengere Eigenkapitalregelungen für die UBS, selbst wenn dies dazu führt, dass die Bank weniger Gewinne ausschüttet oder ihr Wachstum reduzieren muss. Erneut steigt der Zuspruch für eine strengere Regulierung, wenn die Befragten die bisherige Debatte rund um die Thematik verfolgt haben. Von ihnen sind sogar 84 % für höhere Eigenkapitalanforderungen.

Fazit
Insgesamt zeigt die Umfrage ein deutliches Bild. Strengere Regulierung von Grossbanken wie der UBS findet in der Schweizer Bevölkerung breite Unterstützung. Diese speist sich aus einer ausgeprägten Wahrnehmung systemischer Risiken und wird selbst dann nicht grundsätzlich infrage gestellt, wenn mögliche Nachteile für die Standortattraktivität ins Spiel kommen. Bei der Unterstützung für staatliche Rettungsaktionen wie auch für regulatorische Konzessionen gegenüber Grossbanken ist die öffentliche Meinung hingegen deutlich ambivalenter.
Zur Methode:
Die hier präsentierten Daten basieren auf einer Umfrage, die YouGov Schweiz als Eigenstudie mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für die Umfrage wurden zwischen dem 3. und 9. Juni 2026 1'008 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion, befragt. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der Deutsch- und Westschweizer Wohnbevölkerung zwischen18 und 79 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.
Die präsentierten Ergebnisse der Befragung sind gewichtete Werte. Die Gewichtungen basieren auf den Variablen Alter, Geschlecht, Sprachregion, Erwerbstätigkeit und Haushaltsgrösse. Bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit liegt der Stichprobenfehler der Befragung bei ±3.1 Prozent.
Die Grafiken können hier kostenfrei heruntergeladen werden.
Foto: Michael Buholzer/Keystone/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
