YouGov Schweiz: Umfrageergebnisse zum Thema bidirektionales Laden

Die Zahl der Elektroautos und Solaranlagen wächst. Doch wie lässt sich der zunehmend dezentral produzierte Strom effizient speichern und nutzen? Genau hier kommt das bidirektionale Laden ins Spiel. Die neuen Umfrageergebnisse von YouGov Schweiz zeigen: Das Interesse an der Technologie nimmt zu, das Wissen darüber ist jedoch noch begrenzt. Für die repräsentative Befragung wurden im Frühjahr 2026 insgesamt 1’055 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz befragt. Die Ergebnisse wurden mit einer identischen Erhebung aus dem Frühjahr 2025 mit 1’487 Teilnehmenden verglichen.

Wer heute auf dem eigenen Dach Solarstrom produziert, kennt das Problem: Die Energie fällt dann an, wenn sie oft gar nicht benötigt wird. Mittags scheint die Sonne, während viele Menschen ausser Haus sind. Am Abend steigt der Strombedarf, doch die Solaranlage liefert kaum noch Energie.

Dieses Spannungsfeld gehört zu den zentralen Herausforderungen der Energiewende. Solar- und Windenergie produzieren Strom nicht immer dann, wenn er gebraucht wird. Gleichzeitig steigt der Bedarf an flexiblen Speichern, die Stromüberschüsse aufnehmen und später wieder bereitstellen können.

In solchen oder ähnlichen Szenarien könnte das bidirektionale Laden zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Dabei dient das Elektroauto nicht nur als Verbraucher von Strom, sondern auch als Speicher. Es kann überschüssige Energie aufnehmen und bei Bedarf wieder an das eigene Haus oder künftig sogar an das Stromnetz zurückgeben.

Bekanntheit steigt, bleibt aber ein Nischenthema

Noch ist das Konzept in der breiten Bevölkerung wenig bekannt. Laut den aktuellen Umfrageergebnissen kennen 27 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer den Begriff «bidirektionales Laden». Im Vorjahr lag dieser Wert erst bei 23 Prozent.

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Deutlich höher ist die Bekanntheit in Bevölkerungsgruppen, die bereits Berührungspunkte mit wichtigen Komponenten des bidirektionalen Ladens, wie E-Auto und Solaranlage, haben. Unter E-Auto-Besitzern haben bereits 65 Prozent von der Technologie gehört. Bei Personen mit (geplanten) Solaranlagen liegt der Wert bei 43 Prozent und somit immerhin 16 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Bekanntheit in der Schweizer Bevölkerung.

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Auffällig sind zudem die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Männer kennen das Konzept deutlich häufiger als Frauen. Auch Personen mit höherer Bildung und höherem Einkommen sind überdurchschnittlich gut informiert.

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Doch selbst unter denjenigen, denen bidirektionales Laden ein Begriff ist, scheint das Wissen sehr begrenzt zu sein, da die verschiedenen Anwendungsformen Vielen kaum bekannt sind. Am ehesten bekannt ist die Nutzung des Fahrzeugs als Stromspeicher für das eigene Zuhause (Vehicle-to-Home), diese Anwendung ist immerhin 39 Prozent bekannt, die auch den Begriff bidirektionales Laden kennen. Hingegen ist Vehicle-to-Grid nur etwa 20 Prozent ein Begriff. Gemeint ist dabei die Speicherung und Rückspeisung von Strom über Elektroautos ins öffentliche Netz. So können Stromüberschüsse zwischengespeichert, Lastspitzen abgefedert und Angebot und Nachfrage besser ausbalanciert werden. Gleichzeitig kann dies zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen.

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Die Technologie gewinnt an Zustimmung

Zur Erfassung der Einstellungen gegenüber der Technologie wurden die Befragten gebeten, ihre Meinungen anhand verschiedener Aussagen zu bewerten. Die Aussagen deckten unterschiedliche Aspekte der Technologie ab, darunter deren wahrgenommener Nutzen, Zukunftsfähigkeit, Sorgen und potenzielle Herausforderungen sowie die allgemeine Akzeptanz.

Die Ergebnisse zeigen: Während das Wissen noch begrenzt ist, entwickeln sich die Einstellungen zur Technologie positiv.

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Das Konzept des bidirektionalen Ladens stösst weiterhin auf Zustimmung. 42 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Idee sehr gut gefällt (Top-2-Bewertungen auf einer Skala zwischen 1 und 7). Damit liegt der Wert vier Prozentpunkte über dem Niveau des Vorjahres. Besonders deutlich zeigt sich die positive Entwicklung bei der Einschätzung der Zukunftsfähigkeit der Technologie: 46 Prozent der Teilnehmenden bewerten bidirektionales Laden als zukunftsfähig (Top-2-Bewertungen), gegenüber 40 Prozent im Vorjahr. Unter den Besitzern von Elektroautos fällt die Zustimmung sogar noch stärker aus. Nahezu sechs von zehn E-Auto-Fahrern sehen im bidirektionalen Laden eine zukunftsweisende Technologie.

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Auch die Attraktivität von Elektroautos könnte davon profitieren. Bereits 31 Prozent der Befragten geben an, dass bidirektionales Laden E-Autos für sie interessanter macht. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 26 Prozent (Vergleiche Grafik 6).

Zwischen Interesse und Nutzung klafft noch eine Lücke

Trotz der wachsenden Akzeptanz bleibt die Bereitschaft zur tatsächlichen Nutzung des bidirektionalen Ladens vergleichsweise verhalten. Nur rund ein Drittel der Befragten gibt an, die Technologie selbst nutzen zu wollen. Deutlich höher fällt die Zustimmung bei Personen aus, für die das Konzept unmittelbar relevant ist: Sowohl unter E-Auto-Besitzern als auch unter Personen mit Solaranlage kann sich etwa jeder Zweite eine Nutzung vorstellen.

Das überrascht wenig. Der grösste Nutzen entsteht dort, wo Elektromobilität und eigene Stromproduktion zusammenkommen. Wer Solarstrom auf dem eigenen Dach erzeugt und ein Elektroauto besitzt, kann überschüssige Energie im Fahrzeug speichern und später im Haushalt nutzen. Voraussetzungen dafür sind allerdings nicht nur ein geeignetes Fahrzeug, sondern auch eine kompatible Ladeinfrastruktur und ein intelligentes Energiemanagement.

Entsprechend bleiben die Investitionskosten eine entscheidende Hürde. Etwa 26 Prozent der Befragten empfinden den Preis von rund CHF 8'000 für eine bidirektionale Ladestation inklusive Energiemanagement und Installation angemessen. Für die Mehrheit stellt dieser Betrag derzeit jedoch eine hohe Eintrittsschwelle dar.

Hinzu kommt, dass sich der Markt noch in der Entwicklungsphase befindet. Nicht jedes Elektroauto unterstützt bidirektionales Laden, bei Ladestationen und Energiemanagementsystemen existieren unterschiedliche Standards (fehlende Interoperabilität), und die Einbindung in bestehende Energieanlagen ist teilweise noch komplex. Für viele Interessierte bleibt die Technologie deshalb vorerst eine vielversprechende Zukunftslösung statt einer heute einfach umsetzbaren Anwendung.

Vorbehalte gegenüber Batterie und Sicherheit bleiben bestehen

Neben den Kosten bremsen auch Unsicherheiten die Entwicklung.

Rund jeder vierte Befragte befürchtet, dass die Fahrzeugbatterie durch die zusätzliche Nutzung schneller altert. In der Westschweiz sind diese Sorgen mit 36 Prozent deutlich stärker verbreitet als in der Deutschschweiz mit 24 Prozent.

Tatsächlich bedeutet bidirektionales Laden zusätzliche Lade- und Entladevorgänge. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein intelligentes Energiemanagement die zusätzliche Belastung der Batterie begrenzen kann. Teilweise kann ein optimiertes Ladeverhalten die Batterie sogar schonender behandeln als konventionelles Laden.

Dennoch besteht hier weiterhin Aufklärungsbedarf. So stimmen weniger als die Hälfte der Befragten stark zu, dass intelligentes Lademanagement die Batterie schont und jeder fünfte Befragte scheint weiterhin Sicherheitsbedenken zu haben.

Ähnlich zeigt sich die Situation beim Thema Versorgungssicherheit: Nur ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer ist überzeugt, dass ein Elektroauto während eines Stromausfalls ein Haus mit Energie versorgen kann. Mehr als die Hälfte würde aktuell sogar einen stationären Hausspeicher dem Elektroauto vorziehen, obwohl die Elektroautobatterie bis zu 10-fach höhere Speicherkapazität bietet.

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Warum das Interesse wächst

Die wachsende Akzeptanz kommt nicht von ungefähr.

Zum einen wird die Technologie nach Jahren zahlreicher Pilotprojekte zunehmend marktfähig. Immer mehr Fahrzeugmodelle unterstützen bidirektionales Laden, und erste kommerzielle Angebote kommen auf den Markt.

Zum anderen verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Photovoltaikanlagen wächst das Interesse daran, möglichst viel des selbst produzierten Solarstroms auch selbst zu nutzen. Gleichzeitig sind die Vergütungen für eingespeisten Solarstrom in vielen Fällen gesunken.

Für Besitzer einer Solaranlage wird das Elektroauto damit zum potenziellen Energiespeicher auf Rädern. Überschüssiger Solarstrom kann tagsüber im Fahrzeug gespeichert und abends für Haushaltsgeräte, Wärmepumpen oder Warmwasser genutzt werden. Das erhöht den Eigenverbrauch und reduziert die Abhängigkeit vom Stromnetz.

Gleichzeitig könnten viele tausend vernetzte Elektroautos künftig helfen, Lastspitzen auszugleichen und das Stromnetz zu stabilisieren. Damit würde bidirektionales Laden über den einzelnen Haushalt hinaus einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.

Fazit

Bidirektionales Laden steht in der Schweiz noch am Anfang. Die Technologie ist für viele Menschen weiterhin erklärungsbedürftig, und Fragen zu Kosten, Batterielebensdauer und Kompatibilität bremsen die Verbreitung.

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Umfragedaten einen klar positiven Trend. Die Bekanntheit nimmt zu, die Zustimmung wächst und immer mehr Menschen erkennen das Potenzial der Technologie.

Langfristig könnte bidirektionales Laden weit mehr sein als ein zusätzliches Feature für Elektroautos. Es hat das Potenzial, Mobilität, Solarenergie und Stromversorgung intelligent miteinander zu verknüpfen. Genau deshalb wird es zunehmend als eines jener Puzzleteile betrachtet, die für eine erfolgreiche Energiewende benötigt werden.

Zur Methode:

Die hier präsentierten Daten basieren auf einer Umfrage, die YouGov Schweiz als Eigenstudie mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov-Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für die Umfrage in 2026 wurden zwischen dem 19. und 25. März 2026 1055 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz befragt und im Vorjahr wurden zwischen dem 26. und 31. März 2025 1487 Personen befragt. Beide Umfragen erfolgten als repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der Deutsch- und Westschweizer Wohnbevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.

Die präsentierten Ergebnisse der Befragung sind gewichtete Werte. Die Gewichtungen basieren auf den Variablen Alter, Geschlecht, Sprachregion, Erwerbstätigkeit und Haushaltsgrösse. Bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit liegt der Stichprobenfehler der Befragung für 2026 bei ±3.02 Prozent und für 2025 bei ±2.54 Prozent.

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