Das finale YouGov Schweiz Stimmungsbarometer zu den eidgenössischen Abstimmungen am 27. September

Eineinhalb Wochen vor den eidgenössischen Abstimmungen vom 27. September zeichnet sich eine deutliche Ablehnung beider Vorlagen ab. Das dritte und finale YouGov Schweiz Stimmungsbarometer zeigt, dass sowohl die Neutralitäts- als auch die Ernährungsinitiative derzeit kaum Chancen an der Urne haben.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 31. August und 14. September insgesamt 2’989 Personen aus dem Online-Panel von YouGov Schweiz befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie sich das Stimmungsbild seit dem ersten Stimmungsbarometer von Ende Juli und dem zweiten Stimmungsbarometer von Mitte August entwickelt hat.

Beiden Initiativen droht eine deutliche Ablehnung

Am 27. September entscheidet die Schweiz über zwei Volksinitiativen. Die Neutralitätsinitiative der SVP-nahen Organisation «Pro Schweiz» fordert eine strengere Auslegung und verfassungsrechtliche Verankerung der Schweizer Neutralität. Die Ernährungsinitiative des Vereins «Sauberes Wasser für alle» verlangt, dass mehr Lebensmittel in der Schweiz hergestellt werden und sich die Produktion stärker auf pflanzliche Ernährung ausrichtet.

Die Ergebnisse der jüngsten Befragung bestätigen einen Trend, der sich bereits in den vorherigen Befragungswellen abgezeichnet hat. Je näher das Abstimmungsdatum rückt, desto klarer und stabiler fällt die Ablehnung aus. Die Meinungsbildung ist weiter fortgeschritten und die Haltungen zu beiden Vorlagen haben sich weitgehend gefestigt. Neue Argumente oder Themen treten kaum mehr in den Vordergrund. Stattdessen verfestigen sich die bereits bekannten Positionen sowohl auf Befürworter- als auch auf Gegnerseite. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Unentschlossenen weiter ab.

Würde heute bereits abgestimmt, käme die Neutralitätsinitiative nur noch auf 30 Prozent Ja-Stimmen, was einem Minus von 11 Prozentpunkten im Vergleich zu Mitte August entspricht. Gleichzeitig läge der Nein-Anteil bei 63 Prozent (plus 13 Prozentpunkte gegenüber August), während der Anteil der Unentschlossenen leicht auf 7 Prozent sinkt.

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Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei der Ernährungsinitiative. Hier ist der Nein-Anteil seit Mitte August ebenfalls um 13 Prozentpunkte auf nun 65 Prozent gestiegen. Für die Initiative würden aktuell 29 Prozent der stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizer stimmen (minus 8 Prozentpunkte gegenüber August), während sich nur noch 6 Prozent nicht festlegen können oder möchten (minus 5 Prozentpunkte gegenüber August).

Die Meinungsbildung ist weitgehend abgeschlossen

Die deutlich gestiegenen Nein-Anteile sind Ausdruck einer fortgeschrittenen Meinungsbildung, die sich in den letzten Wochen weiter konsolidiert hat. Immer weniger Stimmberechtigte fühlen sich unzureichend über die Vorlagen informiert. Bei der Neutralitätsinitiative geben nur noch 14 Prozent an, zu wenig über die Vorlage zu wissen, bei der Ernährungsinitiative sind es 17 Prozent. Im August lag dieser Anteil bei beiden Initiativen noch bei rund einem Drittel der Befragten.

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Die Informationsgrundlage der Stimmberechtigten hat sich damit deutlich verbreitert. Eine grosse Mehrheit hat mittlerweile über die Medien von den Abstimmungsvorlagen erfahren, knapp die Hälfte zusätzlich über die offiziellen Abstimmungsunterlagen. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede in der öffentlichen Sichtbarkeit der beiden Kampagnen: Während ein Drittel der Befragten Werbung zur Neutralitätsinitiative wahrgenommen hat, trifft dies bei der Ernährungsinitiative nur auf rund ein Viertel zu.

Dieser Umstand spiegelt nicht nur die massiven Unterschiede in den Kampagnenbudgets, insbesondere auf Seiten der Befürworter, zwischen den beiden Initiativen wider (siehe auch EFK-Bericht vom 28. August 2026), sondern auch die unterschiedliche politische Relevanz, die den Vorlagen zugeschrieben wird. Die Neutralitätsinitiative wird inzwischen von zwei Dritteln der Stimmberechtigten (66 Prozent) als wichtige Abstimmung wahrgenommen. Bei der Ernährungsinitiative teilt lediglich gut die Hälfte (52 Prozent) diese Einschätzung.

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Trotz der unterschiedlichen Aufmerksamkeit werden beide Vorlagen in ihrer Komplexität ähnlich eingeschätzt. Mit zunehmender Auseinandersetzung scheint das Verständnis der Inhalte leicht gestiegen zu sein: Der Anteil der Befragten, die die Vorlagen als eher wenig komplex einschätzen, hat seit August bei beiden Initiativen zugenommen. Dennoch werden sowohl die Neutralitätsinitiative als auch die Ernährungsinitiative weiterhin mehrheitlich als eher komplexe Abstimmungsvorlagen wahrgenommen.

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Differenzierte Einblicke dank kantonaler Schätzungen

Mithilfe unseres MRP-Modells lassen sich die aktuellen Abstimmungsabsichten nicht nur auf nationaler, sondern auch auf kantonaler Ebene schätzen. Dabei fliessen sowohl die individuellen Angaben der Befragten als auch strukturelle Unterschiede zwischen den Kantonen in die Berechnungen ein. Auf diese Weise können selbst für bevölkerungsärmere Kantone aussagekräftige Schätzungen vorgenommen werden.

Die kantonalen Ergebnisse bestätigen das Bild, das sich bereits auf nationaler Ebene zeigt. Die Ablehnung beider Initiativen hat sich in den vergangenen Wochen schweizweit verfestigt. In sämtlichen Kantonen haben die Nein-Lager seit August an Zustimmung gewonnen, während die Ja-Anteile zurückgegangen sind. Dies deutet darauf hin, dass sich die zunehmende Ablehnung nicht auf einzelne Regionen beschränkt, sondern in der gesamten Schweiz weiter verfestigt.

Das Tessin bleibt dabei jedoch wie auch schon in den Umfragen vom Juli und August der Kanton mit den höchsten Zustimmungswerten. Ob der Ja-Anteil der Neutralitätsinitiative dort aktuell knapp unter oder über der 50-Prozent-Grenze landen würde, lässt sich nicht mit abschliessender Sicherheit bestimmen. Für die Ernährungsinitiative zeigt sich hingegen auch im südlichsten Kanton keine Mehrheit.

Jenseits der Prozentwerte: das Warum hinter den Abstimmungsabsichten

Ein umfassendes Stimmungsbild sollte nicht nur Auskunft darüber geben, wie viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aktuell für oder gegen eine Initiative stimmen würden, sondern auch warum. Um die Motive hinter den Abstimmungsabsichten besser zu verstehen, wurden die Befragten gebeten, ihre Entscheidung in eigenen Worten zu erläutern. Diese Texte haben wir mittels Natural Language Processing (NLP) ausgewertet. Die Auswertung ermöglicht es, wiederkehrende Themen zu identifizieren und sichtbar zu machen, welche Argumente Zustimmung oder Ablehnung besonders stark prägen. So ergeben sich aus freien Antworten strukturierte Einsichten über Motive und Prioritäten – inklusive seltener, aber besonders wirkungsvoller Argumente.

Neutralitätsinitiative: Der Grundkonflikt wird konkreter

Die Auswertung der offenen Antworten zeigt, dass die Neutralität weiterhin den zentralen Bezugspunkt der gesamten Debatte bildet. Entscheidend für die Abstimmungsabsicht ist, wie Tradition und Praxis der Schweizer Neutralität interpretiert werden. Befürworter begründen ihre Zustimmung in erster Linie mit dem Wunsch, die Neutralität, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Schweiz zu bewahren. Auf Seiten der Gegner überwiegt hingegen die Sorge, dass sich die Schweiz durch eine starre Verfassungsregelung unnötig im internationalen Handlungsspielraum einschränken könnte. Zudem beurteilt ein relevanter Teil der Befragten die Initiative als überflüssig, da die Neutralität aus ihrer Sicht bereits heute ausreichend verankert ist.

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Die Netzwerkanalyse zeigt, dass sich die grundlegende Struktur der Debatte gegenüber den früheren Erhebungen kaum verändert hat. Statt neuer Themen haben sich die bestehenden Argumentationsmuster weiter ausdifferenziert und lassen sich inzwischen vier klar unterscheidbaren Themenräumen zuordnen.

Der grösste Argumentationsraum dreht sich um die Neutralität als Schweizer Tradition und identitätsstiftenden Wert. Dieser Themenbereich steht in engem Zusammenhang mit dem wichtigsten zustimmungsfördernden Argument, wonach die Schweiz ihre traditionelle Neutralität bewahren soll. Ebenfalls eher befürwortend gestaltet sich der Themenraum rund um die Verfassung und die rechtliche Verankerung der Neutralität. Hier stehen Überlegungen zu Sicherheit, Beständigkeit und einer langfristigen institutionellen Absicherung der Neutralität im Vordergrund.

Demgegenüber stehen zwei Argumentationsräume, die stärker mit der Ablehnung der Initiative verbunden sind. Zum einen betrifft dies geopolitische Risiken und die Frage von Sanktionen, internationalen Konflikten sowie den Beziehungen zu anderen Staaten. Zum anderen zeigt sich ein eigenständiger Diskussionsraum rund um Völkerrecht, internationale Zusammenarbeit und die politische sowie wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Schweiz. Beide Themenfelder spiegeln die Sorge wider, dass eine zu starre Definition der Neutralität den aussenpolitischen Spielraum der Schweiz unnötig einschränken könnte.

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Insgesamt zeigt die Analyse einen vergleichsweise klaren Grundkonflikt. Während Neutralität als Schweizer Wert und deren rechtliche Absicherung die wichtigsten Argumentationsräume zugunsten der Initiative bilden, stehen geopolitische Risiken sowie Bedenken hinsichtlich der internationalen Handlungsfähigkeit der Schweiz den Anliegen der Vorlage gegenüber. Die Abstimmungsentscheidung bleibt damit stark wertegetrieben, die Debatte wird jedoch zunehmend konkreter und stärker entlang der Frage geführt, wie Neutralität in einem komplexen internationalen Umfeld ausgestaltet und abgesichert werden soll.

Ernährungsinitiative: Mehr Streit über den Weg als das Ziel

Auch bei der Ernährungsinitiative zeigt die Analyse der offenen Antworten, dass sich die Muster aus den vorherigen Stimmungsbarometern verfestigt haben. Das grundsätzliche Ziel der Initiative ist weiterhin nicht der zentrale Punkt in der Diskussion. Vielmehr steht die Umsetzung im Zentrum. Ablehnende Stimmen konzentrieren sich auf die möglichen Folgen der Umsetzung. Sie stellen oftmals die Verhältnismässigkeit infrage und befürchten zusätzliche Vorschriften, staatliche Eingriffe und Einschränkungen der persönlichen Freiheit.

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Unter den Befürwortenden spielen die Motive Versorgungssicherheit und Selbstversorgung eine wichtige Rolle. Viele von ihnen erhoffen sich von der Initiative eine Stärkung der Schweizer Landwirtschaft, mehr Inlandproduktion sowie eine grössere Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten. Ebenfalls präsent sind Überlegungen zu Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

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Insgesamt zeigt sich auch bei dieser Vorlage kein einzelnes dominantes Narrativ. Vielmehr stehen mehrere Argumentationsräume nebeneinander: gesunde und qualitative Ernährung, Versorgung und Selbstversorgung, zu viele Vorschriften und staatliche Eingriffe sowie die schwierige Umsetzung und Bürokratie. Der zentrale Konflikt bleibt dabei unverändert. Ernährungssicherheit wird von vielen als relevantes Ziel anerkannt, umstritten sind jedoch die politischen Mittel, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll.

Gefestigte Argumentationsmuster bestätigen die fortgeschrittene Meinungsbildung

Die NLP-Analysen liefern damit ein ähnliches Bild wie die Schätzungen der Abstimmungsabsichten selbst. Zwar haben sich die Kräfteverhältnisse in den vergangenen Wochen zugunsten der Nein-Lager verschoben, die grundlegenden Argumentationsmuster sind hingegen bemerkenswert stabil geblieben. Neue Themen oder überraschende Narrative haben sich in der heissen Phase der Abstimmungskämpfe kaum mehr durchgesetzt. Stattdessen verfestigen sich die bereits bekannten Argumente auf beiden Seiten der Debatte. Dies spricht dafür, dass die Meinungsbildung nicht nur hinsichtlich der Abstimmungsabsicht, sondern auch auf der Ebene der zugrunde liegenden Überzeugungen weitgehend abgeschlossen ist.

Was bedeutet das für die Abstimmungen am 27. September?

Das finale YouGov Schweiz Stimmungsbarometer zeigt, dass die Chancen beider Initiativen auf eine Annahme durch die Schweizer Stimmbevölkerung weiter gesunken sind. Nach aktuellem Stand droht sowohl der Neutralitätsinitiative als auch der Ernährungsinitiative eine deutliche Ablehnung an der Urne. Somit hat sich die Meinungsbildung seit den früheren Erhebungen klar verfestigt. Die Zahl der Unentschlossenen ist weiter zurückgegangen, die Informationslage der Stimmberechtigten hat sich verbessert, und auch die zentralen Argumentationsmuster haben sich in den vergangenen Wochen kaum mehr verändert.

Damit spricht vieles dafür, dass die Bevölkerung ihre Haltung zu den beiden Vorlagen bereits weitgehend gefunden hat. Zwar kann es in den letzten Tagen vor einer Abstimmung weiterhin zu einzelnen Verschiebungen kommen. Die vorliegenden Daten deuten jedoch darauf hin, dass grössere Meinungsumschwünge zunehmend unwahrscheinlich werden. Selbst für die finanziell gut ausgestattete Kampagne der Befürworter der Neutralitätsinitiative dürfte es deshalb schwierig werden, die Dynamik der vergangenen Wochen noch entscheidend zu verändern. Insgesamt lässt das momentane Stimmungsbild eine klare Ablehnung beider Initiativen am 27. September erwarten.

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Methodische Erläuterungen

Die oben präsentierten Resultate basieren auf einer Umfrage, die die YouGov Schweiz AG (ehemals LINK Marketing Services AG) als Eigenstudie mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. Für die aktuelle Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 31. August und 14. September 2026 insgesamt 2’989 Personen in einer repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion, befragt. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der stimmberechtigten Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab. Die präsentierten Werte der aktuellen Abstimmungsabsicht wurden mittels MRP-Modellierung berechnet, alle anderen abgebildeten Daten sind gewichtete Werte. Die Gewichtung basiert auf den Variablen Alter, Geschlecht, Sprachregion, Erwerbstätigkeit und Haushaltsgrösse. Bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit liegt der Stichprobenfehler bei ±1.8 Prozent. Für die erste Befragung wurden zwischen dem 15. und 27. Juli 2026 insgesamt 1’229 Personen befragt, für die zweite Befragung zwischen dem 03. und 17. August 3'080 Personen. Die Stichprobenfehler liegen hier bei ±2.8 Prozent respektive ebenfalls ±1.8 Prozent.

MRP-Modellierung

Die Schätzung der Abstimmungsabsichten erfolgte mit einem sogenannten Mehrebenen-Regressionsmodell mit Poststratifikation (MRP). Dabei wird in einem statistischen Verfahren die Beziehung zwischen einer Vielzahl von Merkmalen potenzieller Abstimmungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und ihrer Präferenzen – d.h., ob sie bei einem Abstimmungsthema (aktuell eher) mit Ja oder Nein abstimmen würden – geschätzt. Das Modell identifiziert so unterschiedliche Gruppen der Stimmbevölkerung, für die die Wahrscheinlichkeit, mit Ja oder Nein zu stimmen, berechnet wird. Als Gruppen berücksichtigen wir die verschiedensten Kombinationen aus Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Parteipräferenz und Kanton.

Zunächst wird die Teilnahmewahrscheinlichkeit an den Referenden für alle kombinierten Gruppen geschätzt. Anschliessend folgt eine Schätzung des Abstimmungsverhaltens der Gruppen bei den Referenden. Für Gruppen, für die nur wenige Beobachtungen zur Verfügung stehen, kann die Mehrebenenregression die Schätzung durch die Daten von ähnlichen Gruppen verstärken. Die Vorhersage auf Gruppenebene wird mit Hilfe der bekannten Bevölkerungsanteile (Daten des BFS Schweiz) und der vorhergesagten Teilnahmewahrscheinlichkeit auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Wie bei jeder Messung mit Befragungsdaten ist die MRP-Modellierung der Abstimmungsabsicht mit Unsicherheit behaftet. Daher geben wir für die Ja-Anteile jeder Abstimmung «Konfidenzintervalle» an, denn die Ja-Anteile sind schlussendlich ausschlaggebend, ob eine Vorlage angenommen oder abgelehnt wird. Mit dem Konfidenzintervall wird ein Bereich angegeben, der den wahren Anteil mit 95-prozentiger Konfidenz umfasst. Einfach ausgedrückt – wenn auch in der Sprache der frequentistischen Statistik nicht ganz exakt – ist zu beachten, dass der wahre Wert mit grösserer Wahrscheinlichkeit näher in der Mitte des Intervalls liegt als an dessen Rändern.

Mit der MRP-Modellierung der Abstimmungsabsichten möchten wir einen Beitrag zur grösseren Vielfalt und Transparenz in der Meinungsforschung leisten. Neben den inhaltlichen Erkenntnissen, die unsere Analysen der Öffentlichkeit bieten, präsentieren wir einen neuen Vergleichswert, der es ermöglicht, verschiedene Umfrageansätze und deren Ergebnisse besser einzuordnen. Wir sind uns bewusst, dass MRP-Modelle bei der Analyse von Abstimmungsumfragen in der Schweiz einen relativ neuen methodischen Ansatz darstellen. Wir arbeiten stetig daran, unsere Methoden zu prüfen und zu verbessern. Als empirisch arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fühlen wir uns dazu verpflichtet, innovative Methoden einzusetzen und zu testen, um die Messung von politischen Präferenzen und politischer Stimmung zu verbessern und Ergebnisse zur Verfügung zu stellen, die zeigen, was die Welt denkt.

NLP (Natural Language Processing)

Mithilfe von NLP werden unstrukturierte Textantworten in ein systematisches Argumentationsnetzwerk überführt und analysiert, welche Begründungen den Abstimmungsentscheid besonders stark prägen. Offene Antworten liegen zunächst als freier Text vor und sind in dieser Form nur begrenzt direkt auswertbar. Durch NLP werden diese Inhalte in semantische Bestandteile zerlegt und in numerische Repräsentationen übersetzt. Darauf aufbauend lassen sich Muster wie Themencluster, Stimmungen oder zentrale Einflussfaktoren identifizieren. So entsteht aus einer Vielzahl individueller Aussagen ein konsistentes, quantitativ analysierbares Gesamtbild.

Die Grafiken können hier kostenlos heruntergeladen werden.

Foto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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