Informationen über Politik sind für Nutzerinnen und Nutzer von KI-Chatbots noch wenig präsent. Nur jede und jeder zehnte Wahlberechtigte (10 Prozent), die oder der mindestens einmal pro Woche Chatbots nutzt, nimmt dort (sehr) häufig Informationen zu Politik wahr. Zum Vergleich: Bei Fernsehen (63 Prozent), Radio (49 Prozent) oder sozialen Medien (42 Prozent) ist der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer, die (sehr) häufig politische Informationen wahrnehmen, um ein Vielfaches höher. Diese Unterschiede spiegeln die individuelle und aktive Nutzungssituation von Chatbots wider: Anders als in anderen Kanälen, bei denen politische Informationen zentral oder sogar linear ausgespielt werden und von Nutzerinnen und Nutzern auch ohne bewusste Entscheidung und beiläufig wahrgenommen werden können, setzen Nutzerinnen und Nutzer den thematischen Startpunkt bei Chatbots selbst und müssen aktiv nach politischen Informationen suchen.
Aktuell nutzen nur wenige Bürgerinnen und Bürger KI-Chatbots aktiv, um sich über Politik zu informieren. Jede und jeder Zwanzigste (5 Prozent) nutzt Chatbots dafür. Damit spielen Chatbots im Moment im Vergleich zu anderen Informationskanälen fast gar keine Rolle: 61 Prozent nutzen das Fernsehen, 44 Prozent das Radio, 38 Prozent persönliche Gespräche und 36 Prozent soziale Medien, um an Informationen über Politik zu kommen.
Aber: Dies könnte sich in Zukunft ändern. Woher Bürgerinnen und Bürger Informationen über Politik bekommen, unterscheidet sich stark nach Alter. Das ist auch bei der Nutzung von Chatbots der Fall. Bürgerinnen und Bürger unter 40 Jahren nutzen Chatbots deutlich häufiger als ältere Bürgerinnen und Bürger: 13 Prozent der 18-29-Jährigen nutzen Chatbots, um sich über Politik zu informieren, bei den 30-39-Jährigen sind es 10 Prozent. Bei Bürgerinnen und Bürgern über 40 Jahren spielen Chatbots eine deutlich geringere Rolle (40-49 Jahre: 5 Prozent, 50-59 Jahre: 2 Prozent, 60-69 Jahre: 2 Prozent, 70 Jahre und älter: 2 Prozent).
Ein Teil der jungen Bürgerinnen und Bürger hat also Chatbots bereits als Informationsquelle für sich entdeckt. Welche Entwicklung können Chatbots als Kanal für politische Informationen noch nehmen? Nahezu jede und jeder Fünfte (19 Prozent) hält es für wahrscheinlich, sich bei einer der nächsten Wahlen per Chatbot über Parteien, Programme oder Kandidatinnen und Kandidaten zu informieren. Im Vergleich zum Wahl-O-Mat als etablierte Quelle zeigt sich, dass Chatbots als Informationsquelle noch nicht in der Breite angekommen sind: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) halten es für wahrscheinlich, dass sie den Wahl-O-Mat nutzen werden.
Rund ein Drittel der 18-29-Jährigen (35 Prozent) und der 30-39-Jährigen (35 Prozent) halten es für wahrscheinlich, dass sie sich in Zukunft im Umfeld vor Wahlen per Chatbot informieren werden. Ungefähr doppelt so viele (19-29 Jahre: 73 Prozent, 30-39 Jahre: 70 Prozent) halten es für wahrscheinlich, dass sie den Wahl-O-Mat nutzen werden. Bei Bürgerinnen und Bürgern über 40 Jahren geht die Nutzungswahrscheinlichkeit für Chatbots im Umfeld von Wahlen deutlich zurück (40-49 Jahre: 23 Prozent, 50-59 Jahre: 13 Prozent, 60-69 Jahre: 9 Prozent, 70 Jahre und älter: 6 Prozent).
Rund ein Drittel (31 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger glaubt, dass es überwiegend negative Auswirkungen hat, wenn sich Wählerinnen und Wähler per Chatbot über Parteien, Programme oder Kandidatinnen und Kandidaten informieren. 17 Prozent glauben, dass Chatbots positive Auswirkungen haben, 39 Prozent denken, dass dies sowohl positive als auch negative Auswirkungen hat. Trotzdem ist das Meinungsbild zur Nutzung von Chatbots als Quelle von politischer Information vergleichsweise positiv: Bei der Nutzung von Chatbots bei psychischen Problemen (42 Prozent), Partnerschaftsproblemen (38 Prozent) oder medizinischen Problemen (35 Prozent) glauben mehr Bürgerinnen und Bürger, dass Chatbots negative Auswirkungen haben.
Gerade auch junge Bürgerinnen und Bürger stehen Chatbots als Informationsquelle zu Politik skeptisch gegenüber: Mehr als jede und jeder dritte 18-29-Jährige (35 Prozent) glaubt, dass die Nutzung von Chatbots im Bereich politischer Information negative Auswirkungen hat. Vergleichbar skeptisch sind 40-49-Jährige (31 Prozent), 50-59-Jährige (35 Prozent) und 60-69-Jährige (34 Prozent). Weniger skeptisch sind 30-39-Jährige: In dieser Altersgruppe glauben nur 21 Prozent, dass die Nutzung von KI-Chatbots negative Auswirkungen hat.
Foto: Philip Dulian/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

