Daten von YouGov zeigen: Jeder dritte Deutsche hat früher gespendet, spendet heute aber nicht mehr

Die Spendenbereitschaft in Deutschland steht weiter unter Druck. Nachdem die Geldspendeneinnahmen 2025 auf nur noch 4,65 Milliarden Euro gefallen sind und damit den niedrigsten Stand seit Jahren erreichten, zeigen aktuelle Daten von YouGov: Zwar stabilisiert sich das Spendenvolumen 2026 wieder leicht, gleichzeitig wird es für Hilfsorganisationen zunehmend schwieriger, Menschen dauerhaft als Spender zu gewinnen und zu halten. Besonders mangelndes Vertrauen und fehlende Transparenz entwickeln sich zu zentralen Hemmnissen.

Nach Daten des YouGov Charity Panel beliefen sich die Geldspendeneinnahmen in Deutschland 2025 auf 4,65 Milliarden Euro. Gegenüber 2021 entspricht dies einem Rückgang von 19 Prozent. Die außergewöhnlich hohen Spendenaufkommen während der Corona-Pandemie sowie zu Beginn des Ukraine-Krieges Anfang 2022 konnten nicht dauerhaft gehalten werden. Nach dem Rückgang der Spendeneinnahmen in den vergangenen Jahren gibt es inzwischen erste Anzeichen einer Stabilisierung: Während die Geldspenden von Januar bis Juni 2026 mit 2,12 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres lagen (-0,2 Prozent), verzeichnete der Markt für den Zeitraum Januar bis Juli 2026 wieder ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Spendeneinnahmen stiegen damit von 2,43 auf 2,53 Milliarden Euro. Als Treiber nennt YouGov insbesondere aktuelle Nothilfe-Anlässe, wie u.a. das Erdbeben in Venezuela Ende Juni 2026.

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Von dieser Entwicklung profitieren vor allem kirchliche und religiöse Zwecke (+14 Prozent), Not- und Katastrophenhilfe (+6,7 Prozent) sowie Tierschutz (+8,4 Prozent). Dagegen verzeichnen die Bereiche Hilfe für Kinder (-12,2 Prozent), Hilfe für Kranke und Behinderte (-12,2 Prozent), Entwicklungshilfe (-5,1 Prozent), Sporthilfe (-4,1 Prozent), sowie Hilfe für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz (-3,2 Prozent) Rückgänge.

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Noch problematischer als die Entwicklung des Spendenvolumens ist jedoch die sinkende Zahl der Spender. Laut dem YouGov Charity Panel lag die Spenderreichweite im ersten Halbjahr 2026 bei nur noch 17 Prozent und damit einen Prozentpunkt unter dem Vorjahr.

Die Ergebnisse einer aktuellen Befragung aus dem YouGov Omnibus Politik zeigen zudem, dass viele Menschen dem Thema Spenden grundsätzlich offen gegenüberstehen, sich aber zunehmend zurückziehen. Nur 13 Prozent der Deutschen geben an, regelmäßig Geld zu spenden, weitere 25 Prozent spenden gelegentlich. Gleichzeitig sagt ein Drittel (33 Prozent), früher gespendet zu haben, dies heute aber nicht mehr zu tun. Jeder Vierte (26 Prozent) hat nach eigenen Angaben noch nie Geld gespendet.

Besonders ausgeprägt ist die Spendenbereitschaft unter Wählerinnen und Wählern von Bündnis 90/Die Grünen: 25 Prozent spenden regelmäßig Geld, weitere 33 Prozent gelegentlich. Unter AfD-Wählerinnen und -Wählern liegt der Anteil regelmäßiger Spender dagegen bei lediglich 11 Prozent. Gleichzeitig geben 34 Prozent der AfD-Wähler an, noch nie Geld gespendet zu haben, der höchste Wert in allen Wählergruppen. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle. Während unter den über 60-Jährigen rund 15 bis 19 Prozent regelmäßig Geld spenden, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen lediglich 8 Prozent. Gleichzeitig hat mehr als ein Drittel (35 Prozent) der jüngsten Altersgruppe nach eigenen Angaben noch nie Geld gespendet.

Als wichtigste Hürde nennen die Deutschen ihre finanzielle Situation: 42 Prozent sagen, sie könnten sich derzeit Spenden finanziell nicht leisten. Dahinter folgen Zweifel am sinnvollen Einsatz der Gelder (27 Prozent) sowie mangelnde Transparenz darüber, was konkret mit Spenden geschieht (26 Prozent).

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„Die Ergebnisse zeigen, dass Spendenbereitschaft nicht nur eine Frage des Einkommens ist, sondern auch mit politischen Präferenzen zusammenhängt. Besonders hoch ist die Spendenaffinität unter Wählerinnen und Wählern der Grünen, während sie dagegen unter AfD-Wählerinnen und -Wählern geringer ausfällt.

Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen kontroverser diskutiert wird als noch vor einigen Jahren“, so Schmid weiter. „Manche Bürgerinnen und Bürger beurteilen die Arbeit von NGOs auch durch die Parteibrille. Für NGOs ist es deshalb wichtiger denn je, aktiv um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu werben und ihre Arbeit nachvollziehbar zu erklären.“

Frieder Schmid
Account Director Political Research bei YouGov

Diese Ergebnisse decken sich mit den Befunden des YouGov Charity Panels. Dort nennen 60 Prozent der Befragten Zweifel an der Transparenz und Effektivität von Wohltätigkeitsorganisationen als Grund für eine geringere Spendenbereitschaft. Jeder Vierte zweifelt daran, dass Spenden tatsächlich einen Unterschied machen.

„Die Entwicklung zeigt, dass wir nicht von einer grundsätzlichen Ablehnung des Spendens sprechen können. Viele Menschen reagieren weiterhin auf akute Krisen und Nothilfe-Anlässe. Das eigentliche Problem ist jedoch die sinkende Zahl aktiver Spender. Für Hilfsorganisationen wird es deshalb immer wichtiger, Vertrauen aufzubauen und transparent zu zeigen, welche konkrete Wirkung Spenden erzielen. Ohne dieses Vertrauen lässt sich die aktuelle Spendenmüdigkeit nur schwer überwinden.“

Bianca Corcoran
Account Director bei YouGov

Methodik:

Die Auswertung basiert auf Daten aus dem YouGov Charity Panel Deutschland und den dort erfassten Geldspenden von Privatpersonen. Die dargestellten Daten beziehen sich auf Geldspenden in Deutschland sowie auf die Entwicklung der Spendenreichweite und einzelner Spendenzwecke.

Die Daten der Umfrage aus dem YouGov Omnibus Politik basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 28. - 31.08.2026 insgesamt 2.321 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

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