Schwierige wirtschaftliche Entwicklung, Krieg und Terror als größte Probleme: Ergebnisse einer Studie von Handelsblatt und YouGov in den G20-Staaten.

Die Menschen in den G20-Staaten stufen die weltweite wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden drei Jahren als schwierig ein. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die das Handelsblatt gemeinsam mit YouGov in den zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) durchgeführt hat. So gehen vier von zehn Befragten davon aus, dass sich die Lage der Weltwirtschaft in Zukunft weiter verschlechtern wird. Nur zwei von zehn gehen hingegen von einer Verbesserung der Weltwirtschaft aus und der Rest erwartet keine Veränderung.

"Im Gegensatz zur alltäglichen Politik, die uns permanente Konflikte und kulturelle Schwierigkeiten gebracht hat, zeigt unsere Studie, dass sich die Welt auf einem Weg befindet, der in einem globalen Dorf enden wird", sagt Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts. "Die meisten Menschen in den G20-Staaten sind sich über die wichtigen Themen wie Wirtschaft, Führungskraft und Politik einig. Die Gesellschaft ist sich mehr verbunden als ihre politische Führung. Europäer, Asiaten und Amerikaner wollen alle das Gleiche: Stabilität, einen Sinn für Ordnung und Wohlstand. Aber noch viel wichtiger ist ihnen, dass sich die Richtung der Weltpolitik ändert." Im Rahmen der Studie wurden in jedem Land jeweils rund 1.000 Personen zur wirtschaftlichen und politischen Lage sowie zum Ansehen von Führungskräften befragt.

Weitere Ergebnisse:

  • Als "wichtigste" Weltmacht* wird von 74% der Befragten die USA gesehen. Darauf folgen China (53%), Russland (51%), Deutschland (43%) und GroĂźbritannien (38%). Die "beliebteste" Weltmacht* sind ebenfalls die USA mit 27% aller Stimmen, gefolgt von Kanada (24%), GroĂźbritannien (21%), Deutschland (21%) und Australien (19%).
  • Bei der Frage nach der "aggressivsten" Weltmacht* liegt Russland mit 49% der Stimmen auf Platz Eins, gefolgt von den USA (44%), China (31%), Saudi Arabien (24%) und der TĂĽrkei (19%). FĂĽr 35% der Befragten ist Kanada das Land mit der höchsten Lebensqualität*, vor Deutschland (31%), den USA (30%), Australien (26%) und GroĂźbritannien (22%). Die USA sollen laut Studie das beste Wirtschaftssystem* haben, gefolgt von Deutschland, Japan, GroĂźbritannien und Kanada.
  • Als die größten aktuellen Probleme* stufen zwei Drittel der Befragten Krieg und Terrorismus ein, gefolgt von Klimawandel und Umweltzerstörung (40%) und der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich (34%). Darauf folgen Hunger, religiöse Konflikte, die Unbändigkeit der Kapitalmärkte und Ăśberbevölkerung.
  • Der Studie zufolge halten je 28% der Befragten aus den G20-Staaten Papst Franziskus und Barack Obama fĂĽr die "vertrauenswĂĽrdigsten" FĂĽhrungskräfte* in der Welt. Der Dalai Lama belegt mit 23% Platz 3, gefolgt von Microsoft Co-GrĂĽnder Bill Gates mit 18% und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 13%. Wladimir Putin liegt mit 12% auf Platz 6 vor dem UN-Vorsitzenden Ban Ki-Moon (12%), Facebook-GrĂĽnder Mark Zuckerberg (8%) sowie dem britischen Premierminister David Cameron und dem chinesischen Präsident Xi Jinping mit jeweils 7%.
  • Die hypothetische Frage, welches Regierungsoberhaupt der G20-Staaten sie als Weltregierungschef wählen wĂĽrden, beantworteten 23% der Befragten mit US-Präsident Barack Obama, gefolgt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (10%), dem russischen Präsident Wladimir Putin (9%) sowie Chinas Staatspräsident Xi Jinping und dem britischen Premierminister David Cameron mit jeweils 4%.
  • Von den insgesamt mehr als 20.000 Befragten wĂĽnschen sich 35% Hillary Clinton als kĂĽnftige US-Präsidentin, vor Donald Trump (9%) und Bernie Sanders (7%). Dabei gilt Clinton in 18 der 20 befragten Länder als Favoritin, wobei sie ihre stärksten UnterstĂĽtzer in Mexiko (56%), Italien (46%), Deutschland (42%) und Brasilien (42%) hat. Die geringste UnterstĂĽtzung findet sie hingegen in Russland (10%), China (18%) und Saudi Arabien (22%). Das einzige Land, das Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl vorziehen wĂĽrde, ist Russland - dort wĂĽrde Trump 31% der Stimmen erhalten und Clinton lediglich 10%.

Die Befragung wurde vom 19. Januar bis 23. Februar 2016 von YouGov im Auftrag des Handelsblatts in den G20-Staaten durchgeführt. Dazu zählen Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Südkorea, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Spanien, Türkei, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Zusammen stellen die G20-Staaten zwei Drittel der Weltbevölkerung und erwirtschaften rund 85% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ziel der Studie war es, herauszufinden, was die Bewohner der weltweit größten Industrie- und Schwellenländer über die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation in der Welt und ihre Führungspersönlichkeiten denken und wo sie die größten Probleme und den größten Handlungsbedarf sehen. Befragte in jedem Land wurden nach Geschlecht, Alter und geographischem Ort ausgesucht, um ausgewogene Resultate zu erzielen. Die individuellen nationalen Studien haben eine statistische Fehlermarge von 5% mit einer Abweichung von +/- 2-3%. Die gesamte Studie mit rund 20.000 Befragten hat eine Fehlermarge von 5% mit einer Abweichung von +/- 0.5 %. Bei den Antworten mit "*" waren Mehrfachnennungen möglich

Alle Ergebnisse der Studie im Detail werden im Rahmen einer Handelsblatt-Serie veröffentlicht, die am Dienstag, 29. März 2016 startete. Mehr beim Handelsblatt, wo es auch ein 108-seitiges Dossier zum Download gibt.

Text: Handelsblatt, Foto: Richard Levine/Demotix/Press Association Images


Abonnieren Sie den YouGov-Newsletter