YouGov-Studie „Spenden in Deutschland 2026“: 42 Prozent haben im vergangenen Jahr gespendet +++ Zweifel an der Wirkung der Spende ist die größte Hürde +++ Bei jungen Menschen scheitert es eher an Geld und an umständlichen Wegen als am Willen
In Deutschland scheitert das Spenden weniger am fehlenden Willen als an der Unsicherheit, wieviel vom gespendeten Geld wirklich ankommt. Laut Befragung haben 42 Prozent der Menschen in Deutschland ab 18 Jahren in den letzten zwölf Monaten Geld an eine gemeinnützige Organisation gespendet. Die grundsätzliche Bereitschaft liegt jedoch deutlich höher: Nur 18 Prozent lehnen Spenden grundsätzlich ab. Das zeigt die aktuelle Studie „Spenden in Deutschland: Zwischen Hilfsbereitschaft und Vertrauenskrise“ von YouGov.
Besonders deutlich wird die Lücke zwischen Spendenquote und grundsätzlicher Erreichbarkeit bei der jüngsten Generation, der Gen Z (18 bis 29 Jahre): Sie spendet mit 34 Prozent im Vergleich aller Generationen am seltensten, lehnt das Spenden mit nur 10 Prozent aber auch am seltensten ab. Über alle Altersgruppen hinweg ist Unsicherheit der häufigste Grund, trotz Spendenaufruf nicht zu spenden: 35 Prozent zweifeln, wie viel ihrer Spende tatsächlich ankommt.
Weniger Spender, aber höhere Beträge – die Älteren tragen das Spendenaufkommen
Der Anteil der Menschen, die nach eigenen Angaben innerhalb der letzten zwölf Monate gespendet haben, steigt mit dem Alter: von 34 Prozent bei der Gen Z über 40 Prozent bei Millennials und 41 Prozent bei der Gen X bis zu 47 Prozent bei den Boomern. Gleichzeitig lehnen Gen X (22 Prozent) und Boomer (20 Prozent) eine Unterstützung gemeinnütziger Organisationen etwa doppelt so häufig grundsätzlich ab wie die Gen Z (10 Prozent).
Reale Spendentransaktionen aus dem YouGov Charity Panel bestätigen das Altersmuster der Umfrage: Getragen wird das diesjährige Spendenaufkommen (Januar – August) vor allem von Älteren. Menschen ab 55 Jahren stellen 58 Prozent aller Spender und 65 Prozent des Spendenvolumens, Tendenz steigend (2025: 56 Prozent der Spender bzw. 61 Prozent des Spendenvolumens). Die 18- bis 24-Jährigen kommen auf knapp 5 Prozent der Spender und gut 2 Prozent des Volumens.
Langzeitdaten des Charity Panels zeigen zudem eine schrumpfende Spenderbasis: Seit 2019 ist die Zahl der Spender um 28 Prozent gesunken, von 16,2 Mio. auf 11,7 Mio. (jeweils Januar bis August). Das Spendenvolumen blieb mit 2,86 Milliarden Euro dennoch stabil (2019: 2,83 Milliarden Euro), weil jeder Spender mehr gibt: im Schnitt 245 Euro statt 174 Euro.
Transparenz statt Prominenz: Was Menschen zum Spenden bewegt
Die drei stärksten Spendenmotive drehen sich um Vertrauen und Relevanz: Nachvollziehbarkeit, wofür die Spende verwendet wird (37 Prozent), Einsatz für persönlich wichtige Themen (33 Prozent) und Vertrauenswürdigkeit (27 Prozent). Empfehlungen von Prominenten oder Influencern landen mit 2 Prozent auf dem letzten Platz, bei der Gen Z sind es 6 Prozent.
Für die junge Generation zählt vor allem, wofür sich eine Organisation einsetzt. Persönlich wichtige Themen sind für 37 Prozent ein Spendenmotiv, Bekanntheit und guter Ruf nur für 19 Prozent (Boomer: 24 Prozent). Vertrauenswürdigkeit spielt bei den Jüngeren (31 Prozent) eine größere Rolle als bei den Boomern (24 Prozent), eine digitale Zahlungsmöglichkeit ist ihnen dreimal so wichtig wie den Befragten der Boomer-Generation (18 vs. 6 Prozent).
Wirkung zeigen, Wertschätzung bieten: Gen Z reagiert am stärksten auf Anreize, wie Partnervorteile oder Gewinnspiele
Bei der Frage, welche Angebote oder Vorteile Spender besonders ansprechen, stehen Informationen zur Wirkung der Spende bei allen Generationen an der Spitze (54 Prozent). Die Gen Z reagiert aber deutlich stärker als Ältere auf Wertschätzung und Anreize: Partnervorteile (32 Prozent), Event-Einladungen (28 Prozent) und Gewinnspiele (27 Prozent) sprechen sie um ein Vielfaches häufiger an als Boomer.
Junge scheitern am Geldbeutel, Ältere am Zweifel
Wer trotz Spendenaufruf nicht spendet, tut das vor allem aus Unsicherheit, wie viel Geld tatsächlich ankommt (35 Prozent). Dahinter folgen die Angabe, dass auch kleine Beträge finanziell schwerfallen (23 Prozent), und die Überforderung durch Krisen und Aufrufe (22 Prozent). Desinteresse am Thema (11 Prozent) oder ein umständlicher Prozess (5 Prozent) spielen insgesamt eine kleinere Rolle. Die Zweifel an der Wirkung wachsen mit dem Alter: Am häufigsten sind die Boomer unsicher, wie viel von ihrer Spende ankommt (40 Prozent), bei der Gen Z sind es 28 Prozent. Der Gen Z fallen dafür häufiger als Älteren schon kleine Beträge finanziell schwer (28 Prozent, Boomer: 20 Prozent).
„Die Gen Z ist nicht spendenmüde: Nur 10 Prozent lehnen Spenden grundsätzlich ab, halb so viele wie bei den Boomern. Was ihr fehlt, sind oft das Geld und der einfache Weg. Wer junge Menschen gewinnen will, braucht keine Prominenten, sondern relevante Themen, sichtbare Wirkung und Spenden, die so leicht sind wie ein Klick in der App."
Zur Methode:
Die Daten basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Vom 30.09. bis 02.10.2026 wurden 2.209 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert, die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Generationen: Gen Z (geb. 1997–2008), Millennials (1981–1996), Gen X (1965–1980), Boomer (1946–1964).
Die Angaben zu Spenderzahl und Spendenvolumen stammen aus dem YouGov Charity Individual 2.0 Panel (reale Spendentransaktionen, hochgerechnet auf die Bevölkerung ab 10 Jahren, jeweils Januar bis August 2019–2026) und sind methodisch nicht direkt mit der Befragung vergleichbar.

