YouGov-Daten zeigen: Mehr als die Hälfte der Deutschen dekorieren zur Herbstzeit, meist für weniger als 20 Euro im Jahr. Der Markt für Einrichten & Wohnen verliert 5 Prozent Umsatz, getrieben durch schwache Möbelkäufe. Heimtextilien und Haushaltswaren legen dagegen zu.
Kürbis, Kerzen, eine neue Kuscheldecke: 56 Prozent der Deutschen dekorieren ihr Zuhause zur Herbstzeit zumindest gelegentlich, 17 Prozent sogar jedes Jahr. Das große Budget bleibt dabei allerdings im Portemonnaie. Die Verbraucherinnen und Verbraucher bleiben zwar im Wohnmarkt aktiv. Sie verlagern ihre Ausgaben aber von großen Möbelanschaffungen hin zu kleineren, günstigeren Aufwertungen rund um Textilien, Haushalt und Deko. Das zeigen zwei aktuelle Analysen von YouGov: eine Befragung von 2.017 Erwachsenen in Deutschland aus dem YouGov Omnibus und Einkaufsdaten aus dem Nonfood Panel von YouGov Shopper für das erste Halbjahr 2026.
Herbst heißt Gemütlichkeit, und dafür wird dekoriert
Als Lieblingsjahreszeit landet der Herbst zwar nur auf Platz drei: 21 Prozent nennen ihn, nach Sommer (35 Prozent) und Frühling (33 Prozent).
Was die Deutschen am Herbst mögen, ist aber eindeutig. Ganz vorn liegen bunte Blätter (63 Prozent) und Spaziergänge im Freien (50 Prozent), gefolgt von Kerzen und gemütlicher Atmosphäre (38 Prozent). Gerade beim Gemütlichkeitsfaktor gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern: 49 Prozent der Frauen zählen Kerzen und Atmosphäre zu ihren Herbst-Highlights, aber nur 27 Prozent der Männer.

Das zeigt sich auch beim Dekorieren. 63 Prozent der Frauen schmücken ihr Zuhause zur Herbstzeit, bei den Männern sind es 49 Prozent. Auch Wohneigentum macht einen Unterschied: 64 Prozent der Eigentümer dekorieren, aber nur 48 Prozent der Befragten ohne Wohneigentum.
Kleine Beträge statt großer Investitionen
Beim Budget bleiben die meisten bescheiden. Von denen, die im Herbst dekorieren, geben 42 Prozent weniger als 20 Euro pro Jahr dafür aus, weitere 32 Prozent zwischen 20 und 50 Euro. Nur 11 Prozent investieren 50 Euro oder mehr. Hier greifen ausgerechnet die Männer tiefer in die Tasche: 15 Prozent der dekorierenden Männer geben mindestens 50 Euro aus, bei den Frauen sind es 8 Prozent. In der Generation Z sind es 17 Prozent.

Markt für Einrichten & Wohnen: Die Nachfrage ist da, aber der Warenkorb wird kleiner
Diese Zurückhaltung bei den Ausgaben zeigt sich auch in den tatsächlichen Einkäufen. Laut YouGov Shopper sinkt der Umsatz im Markt für Einrichten & Wohnen im ersten Halbjahr 2026 um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. An fehlender Nachfrage liegt das nicht. Die Zahl der Käuferhaushalte steigt um 0,9 Prozent, die Käuferreichweite von 87,3 auf 87,7 Prozent. Die Haushalte kaufen sogar 7 Prozent häufiger ein. Pro Einkauf geben sie mit durchschnittlich 39 Euro allerdings weniger aus.
Fast der gesamte Umsatzrückgang geht auf das Konto der Möbel (inklusive Küchen, Matratzen und Lattenroste): minus 12 Prozent. Dabei wächst die Zahl der Möbelkäufer sogar um 5 Prozent. Die Haushalte kaufen jedoch deutlich preiswerter, getrieben von starken Rabatten im Handel und einem „Downgrading“ hin zu günstigeren Marken und Varianten.
Die Gewinner sind die kleineren Anschaffungen. Textilien für Haus und Heim wachsen im Umsatz um 9 Prozent, vor allem Teppiche, Badtextilien und Bettwäsche. Gardinen und Teppichböden verlieren dagegen. Haushaltswaren legen um 6 Prozent zu, angeführt von elektrischen Haushaltshelfern, Wassersprudlern und -filtern, Vorratsbehältern sowie Messern und Besteck.
„Wir sehen einen klassischen Cocooning-Effekt. Die Menschen möchten es sich zu Hause schön machen, gerade jetzt im Herbst. In unsicheren Zeiten wird das neue Sofa aber verschoben. Stattdessen kommen ein neuer Teppich, frische Bettwäsche oder ein paar Kerzen ins Haus. Für den Handel heißt das: Die Nachfrage ist da, sie hat nur ein kleineres Preisschild. Wer jetzt mit bezahlbaren Ideen für ein gemütliches Zuhause punktet, kann vom Herbst profitieren.“
Fachhandel unter Druck, LEH und Nonfood-Discounter legen zu
Die Ausgabenverschiebung verändert auch die Gewichte zwischen den Vertriebskanälen. Der Markt verliert sowohl online als auch stationär Umsatz, in beiden Fällen getrieben durch die Möbel. Am stärksten trifft das den Einrichtungsfachhandel. Mit seinem stationären Geschäft bleibt er mit 46 Prozent Marktanteil zwar der wichtigste Kanal, verliert aber Umsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Auch das liegt nicht am Interesse der Kundschaft: 14,5 Millionen Haushalte haben im ersten Halbjahr 2026 im Einrichtungsfachhandel eingekauft, 8,8 Millionen davon Möbel, ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Die hohen Rabatte der Branche schlagen sich jedoch im Umsatz nieder.
Zu den Gewinnern im Bereich Einrichten & Wohnen zählen der Lebensmitteleinzelhandel (inklusive SB-Warenhäuser, Discounter und Drogeriemärkte) und die Nonfood-Discounter wie Action, TEDi oder Woolworth. Sie spielen bei großen Möbeln kaum eine Rolle, gewinnen aber vor allem bei Haushaltswaren an Stärke. Zusammen erzielen diese beiden Kanäle im ersten Halbjahr 2026 bereits 42 Prozent des Umsatzes mit Haushaltswaren. Genau dort, wo Kundinnen und Kunden schnell und günstig eine Kerze, ein Kissen oder einen neuen Vorratsbehälter mitnehmen, dürfte auch das Herbstgeschäft mit kleinem Budget stattfinden.
Methodik:
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 05. und 07.10.2026 insgesamt 2017 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
YouGov Shopper Nonfood Panel: Die Marktdaten basieren auf den kontinuierlich erfassten Einkäufen von 20.000 privaten Haushalten in Deutschland (Brutto-Stichprobengröße) im Bereich Einrichten & Wohnen. Verglichen wird das erste Halbjahr 2026 mit dem ersten Halbjahr 2025.



