Das YouGov Stimmungsbarometer zu den aktuellen Parteipräferenzen in der Schweiz

In einem Jahr, am 24. Oktober 2027, wählt die Schweiz ein neues Parlament. Ein guter Zeitpunkt, um erneut Bilanz zu ziehen: Wie haben sich die Parteipräferenzen der Wahlberechtigten seit den letzten Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 entwickelt, und wo stehen die Parteien heute?

Das YouGov Stimmungsbarometer zeigt vor allem ein Bild grosser Stabilität. Die aktuellen Präferenzen der Wählerinnen und Wähler liegen ein Jahr vor dem Wahltermin nahe am Resultat von 2023. Dahinter verbergen sich jedoch einige bemerkenswerte Entwicklungen. Die SVP hat seit Frühling 2024 langsam, aber stetig an Zuspruch gewonnen, die Mitte liegt inzwischen vor der FDP und zwischen jungen Frauen und jungen Männern wächst ein politischer Graben.

Die zugrundeliegenden Daten stammen aus zehn Befragungen, die wir seit Mai 2024 jeweils im Vorfeld eidgenössischer Abstimmungen im Online-Panel von YouGov Schweiz durchgeführt haben, zuletzt vom 7. bis 19. Oktober 2026. Dabei wurden die Teilnehmenden unter anderem gefragt, welche Partei sie am ehesten wählen würden, wenn am nächsten Sonntag in der Schweiz Wahlen wären. Neu schätzen wir die Parteipräferenzen mit einem Modell, das alle zehn Befragungen gemeinsam auswertet. Dadurch werden zufällige Schwankungen einzelner Befragungen geglättet und längerfristige Entwicklungen besser sichtbar.

Um die Ergebnisse richtig einzuordnen, ist es wichtig zu betonen, dass es sich um statistische Schätzungen der Zustimmungswerte zum Zeitpunkt der Befragung handelt und damit um Momentaufnahmen. Geschätzt wird, wie die Stimmanteile ausfielen, wenn heute gewählt würde und eine ähnliche Wählerschaft wie 2023 teilnähme. Weiterführende Informationen dazu finden sich im Abschnitt «Methodik».

Die Lage im Oktober 2026: SVP klar vorne, Mitte vor der FDP

Die SVP liegt mit rund 28 Prozent deutlich an erster Stelle, gefolgt von der SP mit 17 Prozent. Dahinter folgen Mitte und FDP. Im Dezember 2025 konnte noch nicht eindeutig bestimmt werden, welche der beiden Parteien mehr Zuspruch erhält. Heute liegt die Mitte jedoch mit gut 15 Prozent mit hoher statistischer Sicherheit vor der FDP, die auf knapp 14 Prozent kommt.

Offen bleibt dagegen das Rennen um den fünften Platz: Die Grünen (gut 9 Prozent) und die GLP (knapp 9 Prozent) liegen weiterhin praktisch gleichauf. Die übrigen Parteien kommen zusammen auf rund 8 Prozent.

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Der Vergleich zu 2023: Viel Konstanz, kleine Verschiebungen

Im Vergleich zum Wahlresultat 2023 haben sich die Kräfteverhältnisse nur wenig verändert. Die SVP liegt exakt auf dem Niveau ihres Wahlresultats. Leicht zulegen konnten die Mitte und die GLP (jeweils gut einen Prozentpunkt), leicht verloren haben die SP (rund einen Prozentpunkt) und die FDP (knapp einen Prozentpunkt). Die Grünen liegen einen halben Prozentpunkt unter ihrem Resultat von 2023.

Diese Veränderungen sind statistisch zwar teilweise gut abgesichert, in ihrer Grössenordnung aber bescheiden. Ein Jahr vor den Wahlen gibt es keine Anzeichen für grundlegende Verschiebungen in der Schweizer Parteienstärke.

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SVP: Langsames, aber stetiges Wachstum

Der Blick auf den Zeitverlauf zeigt, wie sich diese Stabilität zusammensetzt. Die meisten Parteien bewegen sich seit Mai 2024 auf einem nahezu unveränderten Niveau: SP, Mitte, FDP, GLP und Grüne schwanken nur innerhalb von rund einem Prozentpunkt.

Einzig bei der SVP zeichnet sich eine klare Richtung ab. Im Frühling 2024 lag sie mit rund 26 Prozent noch knapp zwei Prozentpunkte unter ihrem sechs Monate zuvor erzielten Wahlresultat. Diesen Rückstand hat sie seither langsam, aber stetig wettgemacht und liegt heute wieder bei rund 28 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der kleineren Parteien leicht von 9 auf 8 Prozent zurückgegangen.

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Bemerkenswert ist, dass dieser Zuwachs breit abgestützt ist. Die SVP legt in allen Sprachregionen zu: in der Deutschschweiz leicht, in der Romandie um rund anderthalb Prozentpunkte. Im Tessin, wo die SVP um knapp 4 Prozentpunkte auf rund 20 Prozent wächst, ist die Entwicklung am deutlichsten. Dort dürfte der Zuwachs der Partei vor allem von früheren Wählerinnen und Wählern der Lega herrühren: Der Anteil der auf nationaler Ebene kleineren Parteien ist im Tessin im gleichen Zeitraum von rund 25 auf 19 Prozent gesunken.

Auch zwischen Stadt und Land zeigt sich kein wachsender Graben. In ländlichen Gemeinden ist die SVP mit rund 30 Prozent unverändert stark, Zuwächse verzeichnet sie hingegen in städtischen (von 23 auf 25 Prozent) und intermediären Gemeinden (von 26 auf 28 Prozent).

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Wählerwanderung: Treue Kernwählerschaften, Bewegung an den Rändern

Die grosse Stabilität der Gesamtergebnisse spiegelt sich auch in der Treue der Wählerschaften wider. Bei SVP und Mitte würden heute rund 85 bis 89 Prozent derjenigen, die 2023 diese Partei gewählt haben, wieder dieselbe Partei wählen, bei den Grünen hingegen nur 70 bis 77 Prozent. Letztere verlieren dabei in zwei Richtungen: Rund 10 Prozent der Grünenwählerschaft von 2023 neigen heute zur GLP, 6 bis 10 Prozent zur SP. Die SVP gewinnt vor allem von kleineren Parteien – 11 bis 17 Prozent der damaligen Wählerinnen und Wähler der übrigen Parteien präferieren heute die SVP – sowie von der FDP (6 bis 8 Prozent der FDP-Wählerschaft 2023).

Die Angaben zur Wählerwanderung weisen wir bewusst als Spannen aus: Erinnerungen an frühere Wahlentscheide passen sich erfahrungsgemäss teilweise der heutigen Präferenz an.

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Gräben in der Gesellschaft: Geschlecht, Alter und Bildung

Auch wenn sich das Gesamtbild stabil und relativ homogen präsentiert, zeigen sich innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen bemerkenswerte Unterschiede. Unter den 18- bis 29-Jährigen liegt die SVP mit knapp 27 Prozent zwar ebenfalls vorne, SP (20 Prozent) und Grüne (14 Prozent) erreichen hier aber deutlich höhere Werte als in der Gesamtschau. In der Gruppe 60+ schneidet die Mitte mit knapp 18 Prozent besonders gut ab, die Grünen sind dort mit etwa 8 Prozent deutlich schwächer.

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Frauen präferieren mit der SP (20 Prozent gegenüber 15 Prozent bei den Männern) und den Grünen (11 Prozent gegenüber 8 Prozent) deutlich häufiger Parteien aus dem linken Lager, Männer häufiger die SVP (30 gegenüber 26 Prozent) und die FDP (15 Prozent gegenüber 12 Prozent).

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Besonders ausgeprägt ist der Geschlechtergraben bei den jungen Wahlberechtigten. Unter den 18- bis 29-jährigen Männern kommt die SVP auf rund 31 Prozent, unter den gleichaltrigen Frauen lediglich auf 18 Prozent. Umgekehrt präferieren 20 Prozent der jungen Frauen die Grünen, aber nur 10 Prozent der jungen Männer. In den älteren Altersgruppen sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich kleiner. Diese Polarisierung zwischen den jungen Wählerinnen und Wählern ist jedoch kein neues Phänomen. Sie war bereits im Mai 2024 ähnlich stark.

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Noch deutlicher als nach Geschlecht unterscheiden sich die Präferenzen nach Bildungsabschluss. Unter Wahlberechtigten ohne tertiären Bildungsabschluss kommt die SVP auf 35 Prozent, unter jenen mit Hochschulabschluss oder vergleichbarer Ausbildung auf rund 20 Prozent, nur knapp vor der SP mit 18 Prozent. GLP und Grüne erreichen in dieser Gruppe je rund 12 Prozent, also etwa doppelt so viel wie unter Wahlberechtigten ohne tertiären Abschluss.

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Einordnung: Polarisierung?

Die Ergebnisse des Stimmungsbarometers sprechen nicht für eine zunehmende Polarisierung der Parteipräferenzen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Zwar legt die SVP am rechten Pol zu, die Anteile für die Parteien der politischen Mitte bleiben jedoch stabil, während das linke Lager leicht verliert, wenn auch nur in geringem Ausmass. Auch zwischen Stadt und Land öffnet sich die Schere nicht weiter.

Damit steht die Entwicklung der Parteipräferenzen der Schweizerinnen und Schweizer in einem gewissen Kontrast zu der Dynamik einer Wegbewegung von der politischen Mitte hin zu den rechten und linken Rändern, die aktuell in vielen anderen europäischen Ländern zu beobachten ist. Die Polarisierung zwischen den Geschlechtern innerhalb der jungen Wählerschaft folgt jedoch dagegen einem Muster, das in etablierten Demokratien weltweit immer deutlicher zutage tritt: junge Frauen wählen verstärkt links, junge Männer rechts. Ob sich dieser Unterschied bis zu den Wahlen 2027 weiter verstärkt, gehört zu den spannenden Fragen des kommenden Wahljahres.

Fazit

Ein Jahr vor den Nationalratswahlen zeigt das YouGov Stimmungsbarometer eine Kräfteverteilung in der Parteienlandschaft, die sich seit 2023 nur wenig bewegt hat. Die SVP hat nach einem schwächeren Jahr 2024 wieder das Niveau der letzten Nationalratswahl erreicht, die Mitte hat die FDP überholt, Grüne und GLP liegen weiterhin gleichauf.

Bis zum Wahltag bleiben dennoch spannende Fragen offen. Setzt sich der Aufwärtstrend der SVP bis über die 30-Prozent-Marke fort? Gelingt es der Mitte, ihren Vorsprung auf die FDP auszubauen? Und wer sichert sich Platz fünf – die Grünen oder die GLP? Das YouGov Stimmungsbarometer wird die Parteipräferenzen der Schweizerinnen und Schweizer bis zu den Wahlen am 24. Oktober 2027 weiterhin regelmässig analysieren.

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Methodik

Die präsentierten Resultate basieren auf Umfragen, die die YouGov Schweiz AG als Eigenstudien mittels Online-Interviews unter den Mitgliedern des unternehmenseigenen Schweizer YouGov Panels durchgeführt hat. Die Mitglieder des Panels sind aktiv rekrutiert und haben der Teilnahme an Online-Interviews zugestimmt. In insgesamt zehn Erhebungen wurden Teilnehmende in repräsentativen Stichproben, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion, befragt. Die Stichproben bilden die Grundgesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.

Die Feldzeiten und Stichprobengrössen verteilen sich wie folgt:

- Befragung 1: 3’242 Befragte im Zeitraum 27.05. – 07.06.2024

- Befragung 2: 4’090 Befragte im Zeitraum 27.08. – 20.09.2024

- Befragung 3: 4’000 Befragte im Zeitraum 28.10. – 22.11.2024

- Befragung 4: 4’859 Befragte im Zeitraum 09.01. – 07.02.2025

- Befragung 5: 3’404 Befragte im Zeitraum 03.09. – 16.09.2025

- Befragung 6: 3’304 Befragte im Zeitraum 31.10. – 17.11.2025

- Befragung 7: 3’307 Befragte im Zeitraum 09.02. – 23.02.2026

- Befragung 8: 3’129 Befragte im Zeitraum 18.05. – 01.06.2026

- Befragung 9: 2’989 Befragte im Zeitraum 31.08. – 14.09.2026

- Befragung 10: 2’949 Befragte im Zeitraum 07.10. – 19.10.2026

MRP-Modellierung

Die Schätzung der Parteipräferenzen erfolgt mit einem Mehrebenen-Regressionsmodell mit Poststratifizierung (MRP). Dabei wird in einem statistischen Verfahren die Beziehung zwischen Merkmalen der Wahlberechtigten und ihren Präferenzen – also welche Partei sie aktuell am ehesten wählen würden – geschätzt. Als Merkmale berücksichtigen wir Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, die Wahlentscheidung 2023 sowie Kanton und Grossregion. Für Gruppen, für die nur wenige Beobachtungen zur Verfügung stehen, stützt die Mehrebenenregression die Schätzung auf Daten ähnlicher Gruppen. Die Schätzungen auf Gruppenebene werden anschliessend mit Hilfe der bekannten Bevölkerungsanteile (Daten des BFS) auf die Gesamtheit hochgerechnet.

Neu werten wir alle Befragungen seit Mai 2024 in einem gemeinsamen, bayesianischen Modell aus. Das Modell schätzt neben den genannten Merkmalen einen geglätteten zeitlichen Trend für jede Partei sowie mögliche Abweichungen einzelner Befragungen von diesem Trend. Die ausgewiesenen Werte für Oktober 2026 entsprechen der Schätzung dieses Modells für den Zeitpunkt der letzten Befragung. Die Auswertungen nach Alter und Geschlecht sowie nach Stadt/Land und Sprachregion (Folien 10 und 12) beruhen auf einer erweiterten Modellvariante mit entsprechenden Wechselwirkungen; die Schätzungen zur potenziellen Wählerwanderung beruhen auf der aktuellen Befragung.

Die Ergebnisse beziehen sich auf die Wählerschaft der Nationalratswahlen 2023. Die Hochrechnung gewichtet die Gruppen so, wie sie sich 2023 an der Wahl beteiligt haben. Personen, die (noch) keine Parteipräferenz angeben, werden nicht auf die Parteien verteilt. Unter den Wählenden von 2023 betrifft dies rund 4 Prozent.

Wie jede Messung mit Befragungsdaten ist auch die MRP-Schätzung mit Unsicherheit behaftet. Wir weisen deshalb für jede Partei einen 95-Prozent-Unsicherheitsbereich aus. Da viele Personen an mehreren Befragungen teilgenommen haben, sind die einzelnen Befragungen nicht vollständig unabhängig voneinander. Wir weisen deshalb bewusst konservative Unsicherheitsbereiche aus, die der Unsicherheit einer einzelnen Befragung entsprechen. Veränderungen von weniger als ein bis zwei Prozentpunkten sind entsprechend als Tendenzen zu verstehen.

Mit der MRP-Modellierung der Parteipräferenzen möchten wir einen Beitrag zu grösserer Vielfalt und Transparenz in der Meinungsforschung leisten. Wir sind uns bewusst, dass MRP-Modelle bei der Analyse von Parteipräferenzen in der Schweiz einen relativ neuen methodischen Ansatz darstellen. Wir arbeiten stetig daran, unsere Methoden zu prüfen und zu verbessern. Als empirisch arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fühlen wir uns dazu verpflichtet, innovative Methoden einzusetzen und zu testen, um die Messung von politischen Präferenzen und politischer Stimmung zu verbessern und Ergebnisse zur Verfügung zu stellen, die zeigen, was die Welt denkt.

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Die Grafiken können hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Foto: (c) Mattia Vacca/KNA

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